
[Bildquelle: Denmark vs Senegal van Persie to regain lost glories]
Ein Fußballblog über den Fußball im Allgemeinen, die Bundesliga und die Nationalmannschaft im Speziellen.
Es ist soweit.
Hansa Rostock ist waidwund geschossen. Im übertragenen Sinne, das muss man dazuschreiben, geschossen wird an der Küste schließlich nicht nur auf, sondern auch neben dem Feld. Wobei die abgefeuerte Leuchtspurmonition am vergangenen Sonnabend zum Glück in etwa den Charakter der Hansa-Offensive in dieser Saison hatte: Es wurde niemandem ernsthaft wehgetan.
Und deshalb es ist gut, dass nach diesen unverantwortlichen Dummheiten so viele Zuschauer im Ostseestadion offenkundig applaudierten, johlten, sich lautstark freuten. Niemand kann nach dieser kollektiven Schadenfreude von Einzeltätern, ein paar Chaoten, Ausnahmen sprechen. Kein Klugscheißer kann hinterher beruhigen, dass doch im Pauli-Block zuerst die Bengalos brannten. Kein Suptra kann sich rechtfertigen, dass die Ingewahrsamnahme eines bekannten Problemfans vor dem Spiel Auslöser des Stadionfeuerwerkes gewesen ist. Das mag vielleicht einen Anlass geliefert haben – aber das gemeinsame Abfeiern von potentiell gefährlichem Pyro-Bombardement hatte damit nichts zu tun.
Das war Lichtenhagen-Style. Als ich das Reizwort Lichtenhagen nach der Partie in einigen Reaktionen das erste Mal hörte, hat der Ossi-Reflex sich kurz gemeldet. Dass man immer diese alten Geschichten aufwärmen muss! War doch nicht so schlimm, hat doch nichts mit Politik zu tun, sondern nur mit Fußball-Hass, ist doch keinem was passiert, würde doch so in vielen Stadien der Republik geschehen.
Wirklich? Gästeblock quer durchs Stadion beschießen, garniert mit höhnischem Applaus quer durch alle Milieus? Ich weiß es nicht. Aber Rostock muss sowohl mit seiner Geschichte als auch mit seinem Fußballpublikum leben. Weitere tiefenpsychologisch-differenzierte Ausflüge in deutsche Gesellschaftsstrukturen dürfen andere unternehmen.
Ein Hansa-Fan beschreibt es hier ähnlich:
Das gezielte Abfeuern von Signalraketen mitten in eine dicht gedrängt stehende Menschenmenge hinein, begleitet von zustimmendem Gejohle und begeistertem Applaus einer sichtbaren Mehrheit des Publikums, setzt allem die Krone auf. Natürlich verbietet sich die Gleichsetzung mit unrühmlichen Rostocker Ereignissen der 90er Jahre, vergleichen darf und muss man die Verhaltensmuster der Beteiligten durchaus. Dabei tun sich erschreckende Parallelen auf, die niemandem, dem das Wohlergehen und Ansehen des FC Hansa wie auch der Stadt Rostock etwas bedeuten, gleichgültig sein dürfen.
Und selbst wenn dem so ist und bei Hansa – auch von den bösen Medien – schon aus Tradition immer ganz besonders hingesehen wird, wenn’s mal brennt – immer wieder neue Böller, Raketen und Randale ändern diese vermeintliche Ungerechtigkeit mitnichten.
Hansa Rostock ist waidwund geschossen. Hauptsponsor Veolia steigt nach der Saison aus, das ist für die hoch verschuldeten Hanseaten keine gute Nachricht – selbst dann nicht, wenn man spekuliert, dass das Entsorgungsunternehmen schon vorher aufgrund der sportlichen Situation mit einem Aussteigen geliebäugelt und das Pauli-Spiel als willkommenen Anlass genutzt hat. Passiert jetzt erneut Schlimmes im Stadion, ist der Geldgeber sofort weg. Das heißt übersetzt: Seine Besucher – von Fans will ich hier mal nicht schreiben – haben den Noch-Zweitligisten in der Hand. Gibt es Ärger, hat das Folgen. Nur ein einziger Spaßvogel, der morgen gegen Union erneut unbotmäßig zündelt – und die Lizenz ist prompt in Gefahr.
Langfristig viel schlimmer ist jedoch, dass Hansa Rostock schon mal Wischlappen und Politur bunkern sollte. Es werden eine Menge Sponsor-Klinken sein, die der Verein putzen muss, um auch in der nächsten Spielzeit wirtschaften zu können. “Ach, Sie sind aus Rostock? Hmm, Hauptsponsor, klingt gut, aber da war doch was … Wissen Sie, für den halben Preis sind wir mit dabei!” Veolia zahlte in dieser Spielzeit 700.000 Euro. Bisher wohl mehr als eine halbe Million Euro haben die Freizeitaktivitäten der unter Hansa-Flagge Pöbelnden dem Verein bislang an Strafe gekostet. Die Schulden des Vereins belaufen sich im Moment auf knapp 16 Millionen Euro.
Das schlechte Image des Vereins ist längst in Hansas Geschäftsbücher gesickert. Über viele Jahre haben die Verantwortlichen bei Hansa in Rostock, bei DFB/DFL in Frankfurt/Main und auf den Zuschauerrängen im Rostocker Hansaviertel es nicht geschafft, diese sich lange abzeichnende Entwicklung zu stoppen. Hansa Hilflos. “Wir brauchen Hilfe von allen, denen Hansa am Herzen liegt”, sagt Vorstandschef Bernd Hofmann. Doch nun liegt es gegen Union und bei den restlichen Saisonspielen ausgerechnet in der Hand der Krawallbrüder, den Klub nicht weiter in den Abgrund zu stoßen.
Und das ist, egal wie auch immer man zu Hansa Rostock stehen mag, eine verdammt traurige Tatsache.
——————-
Joachim Fischer, Fanbeauftragter FC Hansa Rostock:
Vorbei die Zeit, als alle, wie auch immer, zum Stadion fahren konnten. Heute muss man erst in die Zeitung schauen, damit man weiß, wie man zum Stadion gelangen kann. Traurig, aber wahr. Rostocker und Hansafans, kämpft um euern Verein. Kommt ins Stadion und erhebt euer Wort für Hansa. Der Verein gehört zu Rostock wie der Teepott zu Warnemünde. Lasst ihn euch nicht wegnehmen.

Ein Spiel dauert neunzig Minuten. Zumindest im besten Fall, für schwule Profifußballer dauert das Versteckspiel ein Leben lang: Keiner wagt es, seine Homosexualität offen zu leben. So schön Fußball auch ist – Ressentiments halten sich in seinem Umfeld hartnäckig.
Ein unerträglicher Zustand! Ob jemand schwul ist, oder rund, oder grün, das darf keine Rolle spielen. Wir alle sollten ein bisschen besser aufpassen – auf unsere Worte, unser Denken, unsere Taten: Die Freiheit jedes Einzelnen ist immer auch die eigene Freiheit.
Wir schreiben in unseren Blogs über Sport, und unsere Haltung ist eindeutig: Wir sind gegen Homophobie. Auch im Fußball.
+ + + + + + + +
Hier im Blog ist das Thema einmal hochgeschwappt. Anlässlich der WM 2010 schrieb Alexander Osang für den Spiegel das Essay “Neue deutsche Männer“. Es ging um die ungewohnte Fußballleichtigkeit derer mit dem Adler auf der Brust, es ging um Michael Ballack, den letzten Capitano, und es ging um Gerüchte, sabbernderweise gestreut von Ballacks Berater. 11-Freunde-Oberfreund Philipp Köster kritisierte den Text, DGNA kritisierte Köster.
Slotman ist gar nicht ernst zu nehmen, heißt er doch so wie der Verkehrsminister von Mecklenburg-Vorpommern. Also so ähnlich. Außerdem unwichtig: Dreadlocks, Spucke, van Basten. So. Das hätten wir geklärt.
Sind sich die Kommentatoren eigentlich bewusst, wenn sie andauernd, und ich meine: ANDAUERND!!! davon faseln: “Das ist ein echter Leader!” Kurzübersetzt finden sie sich prompt und ungewollt in Zwickau wieder; und das kann nun wirklich niemand beabsichtigen. Gerade jetzt.
Man kann nur imständig hoffen, dass Joachim Löw nicht auf den dummen Trichter kommt und sich solange einen Bart stehen lässt, bis die deutsche Nationalmannschaft ihr nächstes Spiel verliert. Außerdem ist es linguistisch nur konsequent, dass Schlüsselspieler Bastian Schweinsteiger einen Schlüsselbeinbruch kuriert.
Und der tut jetzt richtig weh.
Im übrigen sollte es gegen Heitinga schon die Gelbe Karte geben, wenn schon ein veritabler Konter-Vorteil wegen seiner Rüdereien abgepfiffen wird. Und dann die Tore.
Flanke, Ablage, Schuss. Kroos, Klose, Müller. Pass, Flanke, Kopfball. Müller, Özil, Klose. Es steht 2:0. Was haben wir gelitten, Ende der 80er Jahre, Ende der 90er Jahre, der deutsche Fußball, Kraft, Kampf, Willen, Matthäus. Und jetzt? Tränen flössen in die Augen, würde man wegen Fußball weinen.
Schön auch diese Alltäglichkeit. Man nimmt es eben so hin. Der Kommentator wechselt nach einer halben Minute in den Normalitäts-Modus. Vor einem Jahrzehnt wäre er längst an einem Herzkasper verschieden. Jaaaaa, auch bei einem Freundschaftsspiel.
Danach trieft aus jedem Schritt eines deutschen Fußball-Nationalspielers literweise das Ballosteron. Ist das zu früh? Zu früh für den Titel? Keine Ahnung. Aber … es trieft. Und triefen … ist immer gut.
Jerome Boateng ist eine ziemlich coole Sau. Ich beschuldige ihn, seine Gegenspieler absichtlich an den Ball kommen zu lassen, um ihn anschließend umso entspannter abzocken zu können.
Es tut mir leid. Aber sehe ich Per Mertesacker, denke ich immerfort nur daran.
Es dürfte eine spannende Europameisterschaft aus deutscher Sicht werden. Vorne hui, hinten pfui. Langeweile ist da nicht eingeplant. (Der Titel allerdings auch nicht.) Immerhin, Spaß.
Sieht man die deutsche Nationalmannschaft Fußball spielen, könnte man – ES IST EIN KONJUNKTIV!!! – Alpträume bekommen: Was wäre, schieden Löws Löwen unglücklich bereits in der Vorrunde aus? Was dann? Man mag es sich nicht vorstellen.
Reschpeckt für die Fähigkeit eines van Bommels, doch jedes Mal wieder aufs Neue als … als … , nun ja, als … also eben als ziemliches … also wollen wir doch mal Butter bei die Fische … also Klartext … – … – - – als ARSCHLOCH rüberzukommen. Das kann auch nicht jeder.
Kurzer Schwenk auf die Zuschauer-VIP-Tribüne. Und nun ist es klar, sonnenklar: Günter Netzer ist der Jeff “Dude” Bridges des deutschen Fußballs. Genug beschrieben.
Aogo.
Thomas Müller, Mesut Özil und Miroslav Klose sollten heiraten – jetzt, sofort, auf der Stelle. Es wäre, gewissermaßen, eine Aktion Libero. Und es ist jammerschade, dass zweite Mannschaften an der EM nicht erwünscht sind. (Gomez, Götze, Reus, Schürrle, Badstuber, Hummels, Rolfes.)
Warum eigentlich sind die Niederländer die Nummer zwei der Weltrangliste? Und was sagt das über die Weltrangliste im Allgemeinen aus?
Generell weiß man ansonsten wenig über die Ereignisse in der zweiten Halbzeit. Weil … Journalisten generell in der zweiten – eher ruhigeren – Halbzeit ihren Text zu Ende geschrieben haben.
Miro Klose … hätte Basketballer werden sollen. Und: Er ist Gott.
Es gibt einen wahnwitzigen Zahlenfetisch im Fußball.
Sagt Frederic Valin. Und ich kommentierte.
Es gibt einen wahnwitzigen Zahlenfetisch im Fußball.
Und bei Fußballfans. Die Torjägerliste sage zu wenig aus, okay. Verzichtet man eben öfter mal auf sie. Aber nein, Koeffizienten berechnen, Relationen berücksichtigen, Chancen definieren. Wir machen uns eine bessere Statistik. Warum eigentlich?
Weil das Spaß macht.
Durchaus neuerungsskeptische Fußballblogger produzieren haufenweise Bestenlisten, Infografiken, Crossover-Statistiken, die teils genial, teils komplett abwegig sind.
Weil es Spaß macht. Ein sehr komplexes Spiel in Zahlen zu zwängen und zu zwingen. Zugängliches Rohmaterial mit eleganten Werkzeugen in hübsche und nützliche Übersichten zu verwandeln. Das gelingt nicht immer, wird aber immer wieder versucht werden.
Weil es geht.
Es hätte vor 40 Jahren schon Heatmaps im Kicker gegeben, hätte es sie denn gegeben. Die lächerlichen Laufwege hätten schon die Beiwohner des Wunder von Berns interessiert, hätte die Auswertung vorgelegen. (Lustigerweise benutzt ja kaum noch jemand Laufwegestatistiken, ohne relativierend-ironisch hinzuzufügen, dass so Laufwege alleine ja wenig aussagen.)
Ich vermute auch, dass der Anstoß dafür aus den Staaten kommt (Biermann argumentiert das recht schlüssig in Fußball-Matrix). Aber das erklärt nicht, warum das hier auf derart fruchtbaren Boden fällt …
Ich habe den Biermann nicht gelesen. Aber den “derart fruchtbaren Boden” kann ich nicht erkennen. Nicht im Sinne von: übermäßig viele, übermäßig unsinnige Statistik. Zumindest zwar mehr, aber eben nicht viel mehr als schon immer. Man kann Amerika viel zuschieben, das innige Verhältnis von Fußball und Zahlen hierzulande gehört nicht dazu.
Du bringst die Beispiele Heatmap bei SpOn und Vereins-Bilanz. Büschen dürftig. Der sogenannte Castrolindex hat die Möglichkeiten bei der EM 2008 mit Aktionsradius, Schusshärte und Spielerhöchstgeschwindigkeit ziemlich auf die Spitze geführt. Mittlerweile verrühren sie die einzelnen Größen zu einem Spieler-Ranking.
Das ist uninspiriert, wohl wahr. Dieser Köln-Manchester-Schwachfug ist aber den Aufbereitern, Auswählern und Überbringern anzulasten, nicht den Zahlen. Die sind, finde ich, gut aufbereitet, ausgewählt und eingesetzt in der Fußball-Berichterstattung sinnvoller als so mancher total subjektiver, ellenlanger, mühsam herbeigedrechselter “Ich will vor allem Fußballjournalistenklischees vermeiden”-Alternativfußballtext.
kommentare
Von: Trainer Baade (9.4. 02:09)
Von: Ballmaus (27.3. 18:15)
Von: Deon Brandow (3.3. 08:02)
Von: world wide Brandenburg (20.2. 08:31)
Von: Sven (4.2. 10:59)