Da is dat Ding, dat Sommaloch. Schönes Fußballwochenende!
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Ein Fußballblog über den Fußball im Allgemeinen, die Bundesliga und die Nationalmannschaft im Speziellen.
Ein orientierungsloser, betrunkener Engländer, der einen Moment Halt gefunden hatte am neuen, deutschen Fußball. Damit war nicht zu rechnen.
Es sind Sätze wie diese, lakonische Zuspitzungen von Erlebtem, die mich zu einem Anhänger des Berliner Reporters Alexander Osang haben werden lassen. Er ist neben Nick Hornby der einzige Schriftsteller, dessen (in Büchern gedrucktes) Werk ich komplett gelesen habe, und dass Osang immer mal wieder gerne und gut auch über Fußball schreibt, tat sein Übriges.
So ist es ein wenig auch eine persönliche Sache, wenn jemand den Bericht Osangs aus Südafrika (“Neue deutsche Männer”) einen “ziemlich mauen Erlebnisbericht” nennt, so wie es 11-Freunde-Chefredakteur Philipp Köster in seiner Eurosport-Yahoo-Kolumne getan hat. Osang mag Kösters Leseantennen mit seiner Art, Beobachtetes aufzuschreiben und in eine diffuse Richtung kondensieren zu lassen, nicht hundertprozentig treffen – Geschmackssache. Worüber sich hingegen nicht streiten lässt ist die Aussage, die in dem Text gemacht wird. Und die hat der Chefredakteur des Magazins für Fußballkultur nicht verstanden.
Oder verstehen wollen.
Als ich ihn fragte, ob denn ein Spieler, der etwas überraschend nominiert worden war, seiner Meinung nach auch schwul sei, sagte Becker nur: “Der ist halbschwul”, und ich begriff, dass das alles ein Synonym war für etwas, was Becker nicht mehr verstand. Irgendetwas Leichtes, Unideologisches, Tänzerisches, Schönes, Freudvolles, in dem man sich verirren konnte, wenn man sich bislang an Hackordnungen und Hierarchien orientiert hatte.
Osang hatte vor der WM mit Michael Becker, dem Berater von Michael Ballack, gesprochen und ihn anhand seiner Aussagen als etwas symbolisiert, was durch die WM und die Nationalmannschaft heute überholt wirkt, gestrig, rumplig irgendwie. Osang hat das aufgeschrieben, was vielleicht vor ihm schon einige von Becker gehört hatten. Aber nicht, um über Homosexualität im deutschen Profifußball zu schwadronieren, sondern diejenigen, die dies offenbar oft und gerne tun, zu beschreiben. Der Text staunt gewissermaßen ein wenig darüber, dass die Vokabel schwul nicht nur im Ghetto-Slang mittlerweile über ihre ursprüngliche Bedeutung hinaus verwendet wird.
Philipp Köster klammert diese wesentliche Passage in seiner Analyse hingegen komplett aus. Stattdessen betreibt er zunächst Aufklärung:
Wer sich allerdings schon mehr als einmal mit Becker getroffen hat, weiß das Gerede über eine homosexuelle Seilschaft in der Nationalelf als das einzuschätzen, was es ist: dahingeredete Kolportage, substanzloser Tratsch. Und jeder, der diesen Quatsch weiterverbreitet, ist nicht viel besser als der, der ihn in die Welt gesetzt hat.
Aha. Wenn der Berater des ehemaligen Kapitäns der deutschen Nationalmannschaft über eben jene öffentlich kolportiert und substanzlos tratscht, sinkt jeder Weiterverbreiter auf dessen Niveau hinab. So kann man den offensichtlichen Unmut, anhand des Geredes eines kernigen Beraters eine schwieriges Thema anzupacken, auch umschreiben. Für mich sagen diese Zitate nämlich tatsächlich mehr über Becker als über irgendwelche Fußballer. Und ich glaube, das sollten sie auch.
Köster hat das offenbar anders verstanden:
Nur Osang ging offenbar der Puls hoch. In der ganzen Aufregung vergaß er völlig, Becker nach Belegen für seine steile Thesen zu fragen oder sich vielleicht sogar die Frage zu stellen, ob es nicht die Privatsache jedes einzelnen Nationalspielers ist, ob er nun schwul oder hetero ist.
Osang hat gewiss nicht vergessen, Becker nach Belegen zu fragen, er hat es vermutlich nicht gewollt. Es ging ihm in dem Essay weder um harte Nachrichtenrecherche noch die Frage, was denn nun Privatsache von Nationalspielern sein sollte. Ich glaube, es ging vor allem darum, dass sich der ein oder andere Leser wundern könnte, warum jemand wie der Manager von Michael Ballack sich diese ganzen Fragen nicht mal stellt, bevor er mit solchen Aussagen in die Öffentlichkeit geht.
Wenn denn befreundete Sportjournalisten in diesem Fall als “Öffentlichkeit” zu gelten haben.
Und erst gar nicht schien Osang zu interessieren, was die homosexuelle Seilschaft denn nun konkret im Mannschaftskreis angerichtet habe. Stattdessen raunte der Spiegel-Mann ebenso so geheimnisvoll wie inhaltsleer zum Abschluss: “Die Gerüchte fuhren mit nach Johannesburg”.
Genau. Was Köster hier vielleicht als Vorwurf meint, scheint mir die Wahrheit zu sein: Den Text interessiert gar nicht, welche Seilschaft, wie schwul, welche Folgen. Ihn interessiert, was wer wie über diese Mannschaft sagt. Warum diese Nationalmannschaft bei dieser WM sich so anders angefühlt hat. Und der Schluss des Textes ist mitnichten das von Köster zitierte Geraune. Es geht noch um Ballack, Löw, Bierhoff, Thomas Müller, Thomas Berthold, Niersbach, Matthäus, Angela Merkel, Philipp Lahm. Das Becker-Gerede war nur ein Punkt von vielen.
Philipp Köster hat publizistisch sich an der Bild-Zeitung ein Beispiel genommen (oder sich bewusst für yahoo auf die Boulevard-Welle geworfen) und diese beiden Absätze erst aus dem Zusammenhang gerissen und anschließend zum Anlass genommen, das Loch zwischen WM und Bundesliga-Start mit dem zu füllen, was derzeit überall in der Gegend umherfliegt, mit heißer Luft nämlich.
Es ist das zweite fußballkulturmagazineske Ärgernis innerhalb kurzer Zeit, nachdem mich die 11 Freunde zur WM ungefragt mit Werbevideos angegangen sind. Und ich hoffe mal, das hat alles gar nichts mit dem Einstieg von Gruner+Jahr zu tun.
Mit dem Teufelskickerzitat “Schöner kann Fußball nicht sein” schnappte er (4) sich nach dem 3:1 seine Schwester und sein heißgeliebtes Schnippkickspiel, um das soeben Gesehene in der 20 mal 30 Zentimeter großen Plastearena hochfrequenzkommentierend nachzuspielen. Die Luft war jetzt irgendwie raus, er wusste das Spiel in guten Händen, und die aufkeimende Langeweile wollte bekämpft werden. Warum alle anderen so aufgeregt waren und das Spiel tagelang als ein ganz besonderes deklarierten, wo sich die roten Fußballer doch im Nachhinein offenkundig als klar unterlegen herausstellten – das wusste er nicht so recht. Dass er beim nächsten Bambini-Training jedoch Manuel Neuer sein würde, das stand nun definitiv fest.
Und ja, das Lampard-Tor war eine große Ungerechtigkeit. Nichts Himmelschreiendes, keine monumentale Gemeinheit, aber schon ziemlich ungerecht: Das Tor war der Grund, warum ich mich über das Spiel nur relativ freuen konnte, es bremste subtil die WM-Euphorie, ein großartiges Spiel mit dem richtigen Sieger gesehen zu haben und vor dem Halbfinale ein paar Tage zunehmend nervös die Identifikation mit dieser Auswahlmannschaft noch steigern zu können. Diese Nicht-Leistung der Schiedsrichter hat es doch tatsächlich geschafft, mir die nach einem 4:1 gegen England in einem WM-Achtelfinale angebrachte Stimmung ein wenig zu verwässern.
Und das prangere ich an.
Ein Grund für Videobeweis, Instant Replay, Chip im Ball oder andere tolle Sachen ist das für mich aber nicht. Genausowenig wie andere Argumente, übrigens. Seit es halbwegs möglich wäre, wird darüber diskutiert, und ich habe viel darüber gelesen und gesehen und gehört, und insgeheim möchte ich ein leidenschaftlicher Verfechter dieser prima Fußballverbesserungen sein und über die Fufa rohrspatzig schimpfen und die besseren Argumente an jede Wand sprühen – allein: es geht nicht.
Ich habe mir Mühe gegeben. Seit heute morgen begleite ich den entsprechenden Beitrag von Kai Pahl nebst nachgeordneten Kommentarexperten, die Kontroverse entfaltet sich vom Lampard-Tor und mehr noch vom ausbleibenden Abseitspfiff im Argentinien-Spiel ausgehend in die üblichen Bahnen. Schön, dass die Diskussion in dieser Form trotz vermutlich sehr begründetem und ernüchterndem Hinweis von Jens Weinreich zur Position des Weltverbandes (“Es wird sich nichts ändern.”) geführt wird. Derselbe wetzt hier die Tasten und will alle WM-Fehlentscheidungen zur Dokumentation des “täglichen Wahnsinns” sammeln. Das ist alles interessant und ich bin gespannt, ob die Entscheider die Zahnpasta langfristig wieder zurück in die Tube bekommen oder so lange von Videobeweisjüngern bearbeitet werden, bis auch sie umkippen.
Immer wieder wird hier und da und dort gefragt: Warum nicht? Warum tun sie es nicht? Es gibt keine vernünftigen Argumente gegen die sanfte Einführung des Videobeweises, nicht, wenn man ehrlich ist. Das Schöne Spiel ist längst nicht mehr in allen Ebenen vergleichbar, in nicht wenigen Spielen gab es schlicht keinen Spielfluss, der hätte durch Replay-Unterbrechungen gestört werden können, und alle Problemfälle könnten entsprechend im Regelwerk eindeutig geklärt werden: Wer macht’s, wann genau, wie oft; die paar Paragraphen vertragen die Regeln nun auch noch.
Ich möchte hier mal ein bisschen von der WM abrücken und die zweite wichtige Frage stellen.
Warum? Warum genau sollte es einen Videobeweis im Fußball geben? Dumme Frage, na klar, logisch, mehr Gerechtigkeit. Denn was ist das für ein trauriger Sport, und so lauten ja die eingängigen Altherrenargumente (“Früher! Da gab es wenigstens noch Menschlichkeit und Schiedsrichterfehler im Fußball!”), wenn man sich an besondere Spiele nur wegen nicht gegebener Tore oder ausbleibenden Abseitspfiffe erinnern würde. Und es geht nicht um totale Gerechtigkeit, sondern nur um mehr davon. Ich glaube nicht, dass sich der Geist des Spiels verändern würde, funkte der 5. Schiri ein- oder zweimal im Spiel eine seinem Ermessen nach klare und bedeutsame Fehlentscheidungen zurück.
Doch nochmal: Warum? Es gäbe dann weniger ungerechte Entscheidungen und weniger Schiedsrichterdiskussionen, dafür aber mehr Schiedsrichter. Es gäbe Diskussionen, wann das Replay eingesetzt wurde und wann nicht und warum denn nicht? Es gäbe eventuell die Meinung: Toll, das mit den Schiedsrichtern haben wir gut hinbekommen, alles paletti. Aber hätte sich das Spiel, der Sport als solcher verbessert? Sollte das nicht das Hauptziel sein jeder grundlegenden Regeländerung einer weltweiten Sportart – den Sport besser machen, schöner? Bei der Rückpassregel hat es geklappt, die Einführung der Dreipunkteregel hat dagegen wohl mehr Statistikernerven gekostet als signifikante Tordurchschnittserhöhungen generiert.
Also: Warum? Weil sich mir auf diese wesentliche Frage keine gebirgsquellwasserklare Antwort aufdrängelt, begleite ich die Diskussion wie einige andere auch mit diesem diffusen, nur selten adäquat ausdrückbarem Gefühl. Dieses Widerstreben mag anachronistisch sein und irgendwann sogar überholt, aber es ist da und für mich – im Gegensatz zu dogfood – auch eher keine Frage eines Kalküls von “Was bringt es? Was nimmt es?”, sondern eher eine Frage von “Ist das denn wirklich so wichtig?” Und ein gewisser phlegmatischer Pragmatismus gewinnt schließlich die Oberhand, und der hört sich das alles mit an, knurrt dann dreimal missmutig und sagt dann: “Himmel. Schaltet’s halt die Zeitlupen im Stadion ab und bildet die Schiedsrichter ordentlich aus. So schwierig ist das alles nicht.”
Frings. Grosso. Del Piero. Glaube, bin jetzt durch damit.

Du meine Güte.
In der DDR-Oberliga gab es wohl so Plastiktröten, die ähnlich der Vuvuzelas komische Geräusche machten. Das ist jetzt aber nur ‘ne dunkle Erinnerung. Bei der WM ‘86 in Mexiko herrschte meinen spärlichen Erinnerungen nach diese ungewohnte Bienenschwarmatmosphäre; auch wenn es wohl etwas leiser war, denke ich doch an ein Wuseln auf den Zuschauerrängen und für europäische Fußballkonsumentenohren eher atypische Erregungskurven, so es denn überhaupt Kurven waren.
Beiden Spontanbeispielen ist jedoch gleich, dass sie nicht der Akustik benötigten. Die Oberliga kann man nach drei Spielsekunden als solche erkennen, die WM 1986 ebenfalls, alleine der komisch einfallenden Sonne und eben deshalb auch der Schatten wegen. Aber wer kann nach kurzer Zeit die WM ‘94 von der ‘98 unterscheiden, wer die WM ‘06 von der EM ‘08, wer die Bundesliga-Saison 2009 von der 2005.
Normierte Stadien, normierte Reklame, quasi-normierte Akustik. Die ganze letzte Fußball-Dekade hindurch, mindestens. Deutschland, Österreich, Schweiz, Portugal, Niederlande, Belgien, Frankreich, England, die mittlerweile fast immergleichen deutschen Arenen; Japan und Südkorea fallen – in puncto Zuschauer-Geräusche – noch ein wenig aus dem Raster. Immer die gleiche Champions League, Ultras, Fangesänge, Dauertrommeln.
Und dann ein Riesenthema, wenn es mal anders ist. Himmel. Ist es nicht ganz prima, später mal Ausschnitte nur wegen ihrer eindeutigen Akustik der Afrika-WM zuordnen zu können? Muss man wirklich jedem Jammerer ein “Dann stell’ halt den Ton leiser!” zupfeffern? Sind Menschen heutzutage nicht mehr nervende, laute Geräusche gewohnt? Ja hörend die keine aufputschende Musik in nicht STVZO-kompatibler Lautstärke im Auto? Haben die keine Kinder? Sind die zu extraordinär, den Volumenknopf ohne acht Tweets, zwei Blogposts und drei Tröten-Schmäh-Songs runterzudrehen? Ist denen das Dauergetröte im Fernsehen in der Tat fußballverhindernd zu laut?
Tja. Dann muss das wohl so sein. Ich hingegen freue mich, mal guten Fußball (der kommt dann bestimmt in den nächsten Tagen noch) in etwas anderem Kleide sehen zu können, auch wenn dieses “Andere” eben auch aus 60.000 Plastetröten besteht. So sei es. Entweder man kuckt zu, oder man tut es eben nicht, weil einem das Gesumme auf den Keks geht. Aber zusehen und permanent meckern ist ziemlich Ekel-Alfred-Style, das muss man nicht haben, nicht vier Wochen lang.
Ich hoffe auf diverse aussagekräftige Vuvuzela-Rants in den nächsten Tagen, auf dass dann aber bitte auch Schluss ist damit. ’s geht schließlich auch um Fußball.
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Der Spielbeobachter ist da ganz ähnlicher Meinung.
The Germans call us “The U.S. Boys” I would know since I have lived here the last 9 years. It just sounds cool coming out of a German commentator’s mouth I guess. It’s like “German word, German Word, German Word, “The U.S. Boys” German Word, German Word.” You get the point.
Aus den Kommentaren zu “Welchen Spitznamen sollte die Mannschaft der USA haben?”. Hinsichtlich der Frage nach dem richtigen Teamsong gehe ich mit dem (bislang) letzten Kommentar konform, dass man mit Born in the USA nicht total falsch liegen könne.
1,69 / 64
1,69 / 68
1,70 / 62
1,80 / 68
1,82 / 70
kommentare
Von: Daniel (2.9. 10:12)
Von: Spielmacher (31.8. 12:42)
Von: bonsai (30.8. 19:26)
Von: elnino545 (27.8. 17:28)
Von: Andreas Lange (25.8. 19:32)