Die Gäste antworteten mit ihrem zweiten Angriff – und ihrem zweiten Tor: Angelov, von Jula stark per Hacke bedient, ließ Ghvinianidze im Strafraum mühelos stehen und netzte vehement ein (39.).
Hallo, liebe Leserinnen und Leser, hier beim Volkshochschul-Grundkurs “Fußball und Sprache”, der Pfefferminz-Tee zieht gerade gut durch, dort links sind die Tassen, bitte bedienen Sie sich, schön, dass Sie da sind.
An der Tafel ein Satz aus einem Bericht über ein Fußballspiel vom vergangenen Spieltag. Die Quelle tut nichts zur Sache, ich möchte Sie bitten, sich dieses komplexe Konstrukt mal näher anzusehen, lassen Sie die Worte wirken; wer möchte, darf auch kurz die Augen schließen und die Sprachmelodie in sich nachklingen lassen.
Merken Sie es? Diese fragile Schönheit des Nebensatzes “von Jula stark per Hacke bedient”, spüren Sie sie? Die nötige Wortwürze, die der Spieler namens Ghvinianidze so ganz ohne sportliches Zutun von Hause aus mitbringt? Die sogenannte linguistische Bremse in Form einer nüchtern-mathematischen Zeitangabe (39.), die den Satzkomplex vor dem gefährlichen Hinabgleiten in die Untiefen der kitschgefährdeten Alltagslyrik bewahrt?
Sie nicken, ich merke, wir verstehen uns.
Worauf ich heute hingegen ein besonderes Augenmerk legen möchte, ist eine Vokabel, mit der mich – und nicht nur mich – eine merkwürdige Hassliebe verbindet. Einerseits müffelt sie nach, und jetzt muss ich mal ein wenig grob werden, gar fürchterlichem Wirtschaftswunderalteherrenmuff, außerdem steht sie wie nicht viele andere für die gute alte Fußballsprachkrankheit Synonymitis.
Einnetzen.
Andererseits ist es ein einfaches Wort, auseinanderreissbar, prägnant, klar, herrlich unmodern und also zeitgemäß sowie in gar putziger Sprachnachbarschaft zu “Einnässen”, was so manch’ drögen Spielbericht prompt ein bisschen assoziativen Schwung verleiht. Zumal dann, wenn nicht nur stinknormal, sondern gleich “vehement” eingenetzt wird.
Toll, ganz toll! Die vehementen Einnetzer.
Um diese Erstaunlichkeit nochmals zu verdeutlichen, möchte ich zum Abschluss der heutigen Lektion ein zweites Beispiel (aus demselben Text übrigens) präsentieren und sie erneut bitten, weniger auf den Inhalt und mal mehr auf die Sprache zu achten:
Das Führungstor gelang jedoch den Gästen: Weil Ghvinianidze gegen Petersen nach Rivics Verlängerung viel zu passiv vorging, konnte der 21-jährige Energie-Angreifer Maß nehmen und traumhaft aus 18 Metern über Kiraly hinweg einnetzen (9.).
Wunderschön. Oder? Kurze Einleitung, die Wortwürze diesmal gleich zu Anfang, weitere drei Namen, wobei der Herr Petersen noch näher vorgestellt wird, es darf geträumt werden, und dann – dieser Schluss:
… einnetzen (9.)
Großartig.
Und in der nächsten Lektion lernen wir, warum alle guten Spielberichtssätze mindestens einen Doppelpunkt enthalten müssen.
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Einen Meter im Abseits stehen ist einfach. Fragt mal in Italien nach. Was sich allerdings als viel schwieriger herausstellt, ist als Stellvertreter des großartigen Nolookpass das Land auf, Land ab beliebte Ratespiel Fünf Gewinnt zu moderieren. So schöne Fragen wie er stellt nunmal kein anderer. Nichtsdestotrotz habt Ihr wie beinahe jede Woche von nun an wieder bis Freitag 18 Uhr Zeit, Euer Fußballnäschen unter Beweis zu stellen. Wo? 


kommentare
Von: Rachael Lasswell (5.9. 20:13)
Von: grootteUtteds (3.9. 14:15)
Von: Daniel (2.9. 10:12)
Von: Spielmacher (31.8. 12:42)
Von: bonsai (30.8. 19:26)