Monthly Archive for Juli, 2009

Die besten Recherchelinks fürs Sportressort

So, liebe Klasse (obwohl, heute heißt sowas durchaus auch mal Stammgruppe) des Jahrgangs Nullneun, Hefte raus, wir machen einen unangekündigten Test:

Die Aufgabe besteht darin, die besten Recherchelinks für Journalisten zusammenzustellen. Da wir hier auf einer Fußballschule sind, wollen wir uns bitte auf das Ressort Sport beschränken. Ihr habt eine Woche Zeit. Los gehts!

(Eine Woche später)

So, dann zeigt mal her:

sport1.de
Hmm. Viel Inhalt, viel Krawimmel drumherum, Bilder, Videos; und gäbe es Geruchsinternet, hätten sie das sicherlich auch. Aber Recherche? Die Zweitligaergebnisse reichen bis ins Jahr 2008 zurück, dann habe ich mal Marco Reich gesucht und nix gefunden und überhaupt dauert alles so seine Zeit. Maximal fürs Eingrooven in ein Thema verwendbar.

radsport-news.de
Okay, nicht so mein Beritt. Aber schon öfter mal drauf gestoßen, wenn es um Dopingdinge ging. Immerhin mit Lexikon, Linkverzeichnis und Vereinsdatenbank. Mit Laienbrille betrachtet wohl in Ordnung.

sports.com/de
Scherzkeks! Nur eine 404 unter dieser Adresse, sports.com macht in Sportwetten, Thema verfehlt, sechs, setzen!

bisp.de
Das Bundesinstitut für Sportwissenschaft. Verweise zu Forschungsinstituten, Landessportbünden, Fachverbänden kann ich mir selbst gugeln. Interessant hingegen die Studiendatenbank und die Materialiensammlung, der Sportentwicklungsbericht 2005/06 ist beispielsweise in seiner kompletten 692-seitigen Pracht online abrufbar.

soccerstats.com
Zahlen. Statistiken. So muss das sein. Nüchtern aufbereitet, schnell verfügbar. Aber: Das Archiv ist zwar großartig, doch leider nur für die Premier League verfügbar. Mir dünkt, für deutsche Belange gibt es da Alternativen.

FAZIT
Oh je. Ein Allgemeinplatz, eine Radseite, eine Fehlermeldung, ein Elfenbeinturm, ein Engländer. Und das wars. Traurig. Das ist alles, was ihr für die Legionen an recherchewütigen deutschen Sportjournalisten habt? Das sind die besten Recherchelinks für das Sportressort? Mir scheint, ihr habt ein paar tolle Tage im Freibad verbracht und heute Morgen fix irgendwo abgeschrieben.

Wahrscheinlich wieder in diesem Internet.

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Klinsmann entlassen!

Sensation an der Säbener Straße:

Die FC Bayern München AG und Trainer Jürgen Klinsmann haben sich heute ein-vernehmlich auf eine sofortige Beendigung des bis zum 30. Juni 2010 laufenden Anstellungsvertrages geeinigt.

Wow, das ist ein Schock so kurz vor Saisonbeginn. Es wurde ja schon öfter spekuliert, dass es zwischen Jürgen Klinsmann und dem Vorstand des FC Bayern kriselt, aber eine Trennung nur 10 Tage vor dem ersten Bundesligaspieltag?
Wenn es zu so einer Übersprungshandlung kommt, muss das Tischtuch zwischen beiden Parteien schon seit mehreren Monaten zerschnitten sein.

Wie geht es nun weiter beim FC Bayern? Diskutieren Sie mit in den Kommentaren.

[via]

Im Abseits – Interview mit einem Nicht-Fan #4

Es soll sie wirklich geben – Menschen, die mit Fußball kaum etwas oder gar nichts am Hut haben. Menschen, die am Samstag Abend nichts besseres zu tun haben, als nicht die Sportschau zu gucken. Menschen, bei denen der Begriff “Doppelsechs” keine taktischen, sondern sexuelle Assoziationen hervorruft.
Du Gehst Niemals Allein hat sich auf die Suche gemacht, einige Exemplare dieser in Deutschland seltenen Gattung ausfindig gemacht und zu einem Gespräch gebeten.

Unser vierter Interviewgast: Sue (alias HappySchnitzel)

Sue lebt in München, hat einen Schnitzelfetisch und den ausgeprägten Sinn, die kleinen Beobachtungen im Leben in großen Worten zu kommentieren. Ihren Lieblingsfußballer kürte sie nach Ansicht von Urlaubsfotos und kann auch sonst nicht allzu viel mit Fußball anfangen. Somit war Sue also prädestiniert dafür, sich von uns befragen zu lassen.

Du Gehst Niemals Allein:
Hallo Sue, vielen Dank, dass Du Dich für ein paar Fragen zur Verfügung stellst.
Wie ist Deine Beziehung zu Luca Toni?

Sue:
Meine Beziehung zu Luca Toni ist eine feucht-fröhliche. Ich habe ihn noch nie wirklich Fußball spielen sehen, aber in Klatschblättern schaue ich ihm dabei zu, wie er in einer kleinen Badehose von einer Yacht ins Wasser springt, und lese, dass seine Martha nun endlich ein Kind von ihm will, und all das. Ansonsten halte ich ihn, ohne die anderen Fußballspieler en Detail zu kennen, für einen der schärfsten Spieler in Deutschland. Ein Lustobjekt in kurzen Hosen.

DGNA:
Weisst Du zufällig noch, was Du an Deinem 13. Geburtstag gemacht hast? Das ist der Tag, an dem der FC Bayern das einzige Mal in seiner Geschichte den UEFA-Pokal gewonnen hat.

Sue:
Ich war zu der Zeit im Internat, und es waren irgendwelche Ferien (Pfingsten?), die ich bei meiner Zimmerpartnerin Judith in Hamburg verbrachte. Meinen Geburtstag verbrachten wir in einem Pfadfinderhaus, direkt am Elbstrand. Es gab Spaghetti Bolognese und Wodkamischgetränke. Im Obergeschoss stand ein Kopierer, mit dem wir einigen Unfug trieben und alles mögliche durchkopierten (heutzutage würd ich sagen, das war sehr harmlos noch). Später saßen wir an der Elbe und haben im Dunkeln die Schiffe beobachtet. Über Fußball haben wir nicht gesprochen.

DGNA:
Warst Du schon mal bei einem Fußballspiel im Stadion?

Sue:
Nein. Ich habe für einen Exfreund Tickets für die Allianz Arena gekauft, zum Geburtstag, war an dem Tag aber krank, deswegen ging er mit wem anders hin. Eigentlich hätte ich nur gerne das Stadion mal gesehen.

DGNA:
Wenn Du also mal ins Stadion gehen solltest, würdest Du lieber 90 Minuten lang durch die Gänge gehen und die Architektur und Essensstände bewundern, als Dir ein Spiel anzuschauen? Reizt Dich das Liveevent mit Zehntausenden von Zuschauern gar nicht?

Sue:
Nein, ich meine, das würde mich auch wegen der Stimmung während des Spiels und so interessieren, aber auch wegen dem Architektonischen und der technischen Ausstattung. Ich meinte eher, dass ich, wenn ich ins Stadion ginge (theoretisch), eher in die Allianz Arena wollen würde, als ins Grünwalder Stadion, zum Beispiel.
Einfach mal, um das alles zu sehen.

DGNA:
Was war das letzte Fußballspiel, das Du live und in voller Länge im Fernsehen geschaut hast?

Sue:
Das dürfte das WM Finale 2006 gewesen sein – bei der WM habe ich ziemlich viel Fußball geschaut. Dieser Kopfschubser von Zidane, das war das Highlight.

DGNA:
Wie sah so ein Fernsehabend bei der WM aus? Haben Dich beim Schauen auch taktische und Regelfragen interessiert? Oder ging es einfach nur um einen stimmungsvollen Abend unter Freunden?

Sue:
Nee, taktische Fragen haben mich tendenziell eher nicht intressiert. Ich hab den Großteil der WM im Public Viewing irgendwo gesehen, so richtig mit Fahnen schwenken und aufspringen beim Torjubel. Vor allem die Spiele der deutschen Mannschaft. Aber auch daheim eher mit Freunden und grillen und Bohei, es ging da mehr um das Gemeinsame.

DGNA:
Kannst Du etwas mit Frauenfußball anfangen? Gerüchten zufolge sollst Du ja eine gewisse Ähnlichkeit mit der Nationalspielerin Melanie Behringer haben, die für den FC Bayern spielt.

Sue:
Gerüchten zufolge? Das hast du dir doch ausgedacht. Nein, Frauenfußball intressiert mich noch weniger als Männerfußball. Also eigentlich gar nicht.

DGNA:
Wer wird Deutscher Meister 2009/2010?

Sue:
Keine Ahnung. Der FC Bayern? Machen die das nicht öfter?

DGNA:
Vielen Dank für das Gespräch.

Im Abseits – Interview mit einem Nicht-Fan #3

Es soll sie wirklich geben – Menschen, die mit Fußball kaum etwas oder gar nichts am Hut haben. Menschen, die am Samstag Abend nichts besseres zu tun haben, als nicht die Sportschau zu gucken. Menschen, bei denen der Begriff “Doppelsechs” keine taktischen, sondern sexuelle Assoziationen hervorruft.
Du Gehst Niemals Allein hat sich auf die Suche gemacht, sechs Exemplare dieser in Deutschland seltenen Gattung ausfindig gemacht und zu einem Gespräch gebeten.

Unser dritter Interviewgast: Johnny Haeusler

Johnny Haeusler ist – das als spezieller Infoservice für unsere beiden Leser aus Eritrea, die es noch nicht wissen – der Mann hinter Spreeblick. Würde sich Johnny für Fußball interessieren, hieße es vielleicht Spreekick, aber auch nur vielleicht. Warum er auf dem Bolzplatz immer auf die Jürgen-Kohler-Position geschickt und “God Save The Queen” auf seiner Beerdigung hoch und runter laufen wird, hat er uns in einem kleinen Gespräch verraten.

Du Gehst Niemals Allein:
Hallo Johnny, vielen Dank, dass Du Dich für ein paar Fragen zur Verfügung stellst.
Du hast vor der Fußball-WM 2006 geschrieben: “Die Fußball-WM ist für Bundesliga-Ignoranten wie mich das vielleicht einzige sportliche Großereignis, dem ich etwas abgewinnen kann [...]“. Was ist für Dich an einer Fußball-WM anders als an Olympischen Spielen oder dem 23. Spieltag der Fußball-Bundesliga?

Johnny Haeusler:
Das ist ein sehr, sehr gute Frage! Die habe ich mir so noch nie gestellt … ich glaube, ich mag es übersichtlich und einfach bei sportlichen Wettkämpfen. Olympia gucke ich auch, aber nicht so konzentriert. Die Masse an unzähligen Disziplinen, von denen einige wie zum Beispiel Kugelstoßen jetzt nicht so der Betrachtungshammer sind, finde ich meistens unattraktiv. Bei einer Fußball-WM ist außerdem das Regelwerk sehr übersichtlich und es geht bei jedem Spiel um alles. Das mag ich.

Was die Bundesliga angeht: Ich habe einfach zu wenig Ahnung. Ich bin West-Berliner, also etwas bestraft, was Bundesliga-Historie angeht. Hertha ging in meiner Jugend gar nicht, TeBe hab’ ich mal versucht, da musste man aber meistens vor den Herthafröschen wegrennen, das war also auch doof. Mir fehlt somit die korrekte Sozialisierung.

Außerdem nervt mich bei der Bundesliga dieses ganze Spieler-Hinundhergeschiebe. Wie soll man den Verein einer Stadt unterstützen, wenn die Spieler a) sowieso nicht aus der jeweiligen Stadt kommen und b) dauernd austauschbar sind? Und wirklich spannend wäre es doch nur, wenn nicht immer die Bayern gewinnen würden.

DGNA:
Gibt es das England-Trikot noch?

Johnny Haeusler:
Oh ja, und ich finde es immer noch unfassbar toll, wunderbare Details, sehr schick. Ich trage es aber nur zu besonderen Anlässen, Hochzeiten, Beerdigungen, sowas.

DGNA:
Warst Du schon mal bei einem Fußballspiel im Stadion dabei?

Johnny Haeusler:
Ja, mehrfach, aber während meiner Jugendzeit. Das war auch toll, aber im Fernsehen sieht man besser.

DGNA:
Warst Du als Kind auf dem Bolzplatz oder stand für Dich früh fest, dass aktiver Sport nichts, und die Musik alles für Dich ist?

Johnny Haeusler:
Ich habe auf dem Bolzplatz gekickt, na klar, zum Spaß, nicht im Verein. Ich musste immer in die Abwehr, da mussten die hin, die nix konnten. Weil sich aber sowieso immer alle gleichzeitig auf den Ball gestürzt haben, war das egal.

Ich spiele tatsächlich jetzt wieder etwas mehr, ab und zu mit meinen Jungs und deren Kumpels, die mich allesamt stehen lassen. Es ist unfassbar, was manche 10-Jährige mit dem Ball anstellen können. Und noch unfassbarer ist es, wie wenig Kondition ich habe.

DGNA:
Würdest Du Deinen Kindern eher empfehlen, Rockstar oder Fußballprofi zu werden?

Johnny Haeusler:
Ach, das sind doch zwei super Alternativen, wenn es die einzigen sind! Da würde ich den Spaß- und Talent-Faktor entscheiden lassen. Ungesund ist ja beides: Fußball geht auf die Knochen, Rockstar auf Niere und Leber, und das mit den Mädels sollte sich auch die Waage halten.

Anders überlegt: Beides ist ähnlich hart, glaube ich, und die Aussichten auf eine erfolgreiche Karriere etwa gleich gering. Aber wenn es dann doch läuft, kann man länger Rockstar sein als Fußballprofi. Und muss nicht immer mit dem Kopf gegen harte, runde Gegenstände stoßen. Insofern 1:0 für den Rockstar.

DGNA:
Wer wird Deutscher Meister 2009/2010?

Johnny Haeusler:
Ich verlasse mich dabei auf die fachmännische Prognose meiner Söhne: Deutschland. Oder Spanien.

DGNA:
Vielen Dank für das Gespräch.

Im Abseits – Interview mit einem Nicht-Fan #2

Es soll sie wirklich geben – Menschen, die mit Fußball kaum etwas oder gar nichts am Hut haben. Menschen, die am Samstag Abend nichts besseres zu tun haben, als nicht die Sportschau zu gucken. Menschen, bei denen der Begriff “Doppelsechs” keine taktischen, sondern sexuelle Assoziationen hervorruft.
Du Gehst Niemals Allein hat sich auf die Suche gemacht, sechs Exemplare dieser in Deutschland seltenen Gattung ausfindig gemacht und zu einem Gespräch gebeten.

Unser zweiter Interviewgast: Anke Gröner

Anke Gröner konsumiert alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Ihr Opium heißt Oper, ihr Speed sind Serien, ihr Crack sind Comics. Und wer noch eine Droge mit F kennt, kann sich einen eigenen Vergleich mit “Filmen” basteln. Was sie von Didier Drogbas Ballbehandlung hält, in welcher Liga der schönste Fußball gespielt wird und warum Frauenfußball besser ist, hat sie uns vor ein paar Tagen erzählt.

Du Gehst Niemals Allein:
Hallo Anke, vielen Dank, dass Du Dich für ein paar Fragen zur Verfügung stellst.
In Deinem Beitrag über den Besuch des WM-Spiels Argentinien gegen die Elfenbeinküste hast Du angedeutet, dass Stadionbesuche bei Fußballspielen für Dich keine absolute Ausnahme sind. Wie oft siehst Du Dir Spiele live im Stadion an? Bist Du eher wegen der Atmosphäre und dem Drumherum dort oder könntest Du auch komplett auf Musik, Fangesänge und Laola verzichten, solange auf dem Rasen guter Fußball gespielt wird?

Anke Gröner:
Ich sehe mir, ehrlich gesagt, so gut wie nie Spiele im Stadion an, weil ich Menschenmassen nicht so viel abgewinnen kann. Menschenmassen in Bierlaune übrigens noch weitaus weniger. Bei den wenigen Spielen, die ich live gesehen habe – kann ich an einer Hand abzählen: EM in Hannover, WM in Hamburg, einmal 96, einmal HSV – mochte ich die Stimmung im Stadion zwar sehr, habe aber die ganzen wunderbaren Erfindungen wie Zeitlupe, Hintertorkamera und Mikros am Spielfeldrand sehr vermisst. Ich empfinde ein Fußballspiel live irgendwie als unfertig, obwohl das natürlich völliger Blödsinn ist. Aber im Fernsehen kriegt man einfach mehr mit, und soooo wahnsinnig dringend brauche ich das „Teil einer großen, begeisterten Masse sein“-Gefühl dann auch nicht. Deswegen klicke ich auch lieber bei iTunes rum als auf Konzerte zu gehen. Um auf die Frage zurückzukommen: Ich kann komplett auf Fangesänge verzichten und gehe auch lieber auf mein Klo als auf das im Stadion.

DGNA:
Du bist Hannoveranerin in Hamburg. Welchem HSV gehört Dein Herz?

Anke Gröner:

Als gebürtige Hannoveranerin gehört mein Herz 96. Da die Jungs aber meist schlechter spielen als der HSV, gehören 49 Prozent meines Herzens den Hamburgern. Ich glaube, „Fans“ wie mich nennt man Schönwetterfans. Passt. (Aber wenn 96 gegen Hamburg spielt, halte ich natürlich für Hannover. Ist klar.)

DGNA:
Welches Fußballspiel muss im Fernsehen live übertragen werden, damit Du es einem guten Film, einer Serie oder einem Buch bevorzugst?

Anke Gröner:
Früher – also in der Zeit, bevor ich mit einem sportbegeisterten Kerl zusammengezogen bin – habe ich nur Spiele der Nationalmannschaft geguckt. Die dann aber wirklich gerne und nicht nur, weil man das halt so macht oder Papa sich drüber freut, wenn die beiden Töchterchen mit ihm Fussi gucken.

Seitdem ich einen Kerl habe, der sämtliche Bundesligamannschaften bis zum Jahre 1965 (oder so) und ihre Spielergebnisse runterbeten kann, bin ich mehr und mehr an den Samstagnachmittagen vor dem Fernseher hängengeblieben. Ich kann mir zwar bis heute keine Spielernamen merken (sind mir egal) und welcher Trainer gerade wo arbeitet (ist mir auch egal), aber ich kriege so gaaaanz laaaangsam mit, wie unterschiedlich Vereinsfußball aussehen kann. Deswegen gucke ich inzwischen auch gerne Champions-League-Spiele, besonders die, in denen irgendein englischer Verein mitspielt. Durch das Elfenbeinküstenspiel bei der WM, das du oben verlinkt hattest, bin ich auf Didier Drogba aufmerksam geworden und bin deshalb natürlich pflichtschuldig Chelsea-„Fan“. (Das Wort benutze ich immer mit Vorsicht.)

Deswegen verzichte ich bei europäischen Wettbewerben und natürlich der Nationalmannschaft gerne auf Filme und Bücher. Übrigens auch, wenn die Frauen spielen. Aber nicht, wenn’s um nix geht. Freundschaftsspiele braucht kein Mensch. Da gucke ich lieber DVDs.

DGNA:
Ich finde mich jetzt auch ein bisschen doof, dass ich die folgende Frage stellen muss, aber vielleicht trägt es ja zum Ausräumen eines Klischees bei: Warum magst Du Didier Drogba? Ist es die Ballbehandlung oder der Body?

Anke Gröner:
*hust* Natürlich die Ballbehandlung *hust*. Nee, isses nicht. Ich gehe gerne ins Kino, um Kerle (und Frauen) anzuschmachten – und beim Fußball ist es leider (?) genauso. Was auch bedeutet, dass ich seltsamen Mannschaften wie Hoffenheim die Daumen drücke, weil ich den Herrn Hildebrand gerne öfter in Großaufnahme sehen möchte.

DGNA:
Kannst Du es an einem Grund festmachen, dass Du den Stil englischer Mannschaften bevorzugst?

Anke Gröner:
In meinen naiven Fußballäuglein sieht es so aus, als ob das Spiel der Engländer (bzw. der Vereinsengländer aus aller Herren Länder) deutlich schneller wäre als das der deutschen Bundesliga. Ich habe das Gefühl, dass die Jungs nicht so am Ball kleben, dass das Passspiel schneller (und meistens effektiver) ist und dass Standards besser klappen.

Was ich bei den Engländern aber genauso nervig finde wie bei uns: das ewige Hingefalle und die dusseligen Nahtoderlebnisse an der Strafraumgrenze. Hier ist die Lanze für den Frauenfußball: Die Damen liegen deutlich weniger am Boden. Da muss schon jemand so richtig von hinten in die Hacken geflogen kommen, bis eine umfällt. Während bei den Herren der Schöpfung gerne mal ein Züpferchen am Leibchen reicht, wenn der Schiedsrichter gerade in der Nähe ist. (Und nebenbei: Jeder, der mal ein Rugby-Spiel gesehen hat, weiß, was Kerle abkönnen, wenn sie wollen. Danach kommt einem ein Fußballspiel wie ein Stelldichein hochgezüchteter Memmen vor.)

DGNA:
Wer wird Deutscher Meister 2009/2010?

Anke Gröner:
Da ich wirklich keine Ahnung habe, sage ich natürlich: Hannover. Aber Hamburg gebe ich wirklich ne Chance. Wenn sie nicht fünfmal gegen Bremen spielen müssen.

DGNA:
Vielen Dank für das Gespräch.

Im Abseits – Interview mit einem Nicht-Fan #1

Es soll sie wirklich geben – Menschen, die mit Fußball kaum etwas oder gar nichts am Hut haben. Menschen, die am Samstag Abend nichts besseres zu tun haben, als nicht die Sportschau zu gucken. Menschen, bei denen der Begriff “Doppelsechs” keine taktischen, sondern sexuelle Assoziationen hervorruft.
Du Gehst Niemals Allein hat sich auf die Suche gemacht, sechs Exemplare dieser in Deutschland seltenen Gattung ausfindig gemacht und zu einem Gespräch gebeten.

Unser erster Interviewgast: Don Alphonso

Don Alphonso ist das, was man landläufig polarisierend nennt. Entweder man findet ihn toll, oder man findet ihn scheisse. Ihn-Egal-Finder wird man so schnell nicht auftreiben können. Da wir von DGNA neugierig waren, ob sich Don Alphonso bei der WM nicht vielleicht doch inkognito auf der Fanmeile rumgetrieben und ausgelassen zu Liedern von Oliver Pocher getanzt hat, haben wir ihn einfach mal gefragt.

Du Gehst Niemals Allein:
Hallo Herr Alphonso. Vielen Dank, dass Sie sich für ein paar Fragen zur Verfügung stellen.
Am 30. Juni 2006, 2 Stunden, bevor das Viertelfinale der Fußball-WM zwischen Deutschland und Argentinien angepfiffen wurde, schrieben Sie in Ihrem Blog “Rebellen ohne Markt” mit der Anmerkung “might contain zynism & irony”: “Gerade halb Schwabing nach einem T-Shirt mit dem Aufdruck “Deutschland verrecke” abgesucht – vergeblich.[...] “.
Wenige Sekunden, nachdem Italien das Halbfinale gegen Deutschland gewonnen hatte, sangen Sie gar “Azzuuurrrrooooo”.
Hassen Sie Fußball? Konnten Sie die Leute nicht leiden, die während der Weltmeisterschaft im eigenen Land zu Kurzzeitpatrioten wurden? Oder beides?

Don Alphonso:
Sagen wir so: Es ist mir egal, solange die Auswirkungen nicht in meiner Nähe stattfinden. Ich empfinde Fans mancher Vereine und Länder als lächerlich; jeder Nationalismus und Lokalpatriotismus ist mir fremd, zumal irgendwelche zusammengekauften Millionäre mit eher spärlichem kulturellem Hintergrund sicher nichts ist, was meinen Jubel bekommen könnte. Und ja: Mir gehen Deutschlandgröler extrem auf die Nerven. Ich freue mich, wenn denen der Mund gestopft wird.

DGNA:
Die Vorstellung, Sie auf einer Fanmeile oder in einem Fußballstadion zu treffen, ist also eher als utopisch zu bezeichnen.
Wissen Sie noch, wo Sie waren, als Sie das letzte Mal ein Fußballspiel live und in voller Länge geschaut haben?

Don Alphonso:
Oh, einfach: Nie. Fussball war bei uns nie ein Thema. Die Sportarten der besseren Kreise waren in den vor-Becker-Zeiten Tennis, Segeln, Schach und Rudern. Was bei mir alles vergebens war, meine Liebe gehörte Surfbrettern und Rennrädern. Aber auch da kein Starkult.

DGNA:
Also ist Ihr Desinteresse dem Fußball gegenüber gar nicht unbedingt dem Sport an sich geschuldet, sondern seinem Ruf als Proletariersport? Dabei wurde doch in den letzten 20 Jahren in den Verbänden und den Vereinen so vehement darauf hingearbeitet, den Fußball zu einem massenkompatiblen Unterhaltungsevent zu machen.

Don Alphonso:
Mein Desinteresse ist auch dem Umstand geschuldet, dass es der Sport der Dorfdeppen meiner Schule war. Je Fussballer, desto dümmer, das war eine verlässliche Faustformel. Das hat nichts mit “Proletarier” zu tun, sondern mit einem bestimmten einkommensunabhängigen Niveau, das sich damals und – siehe Fanmeile – heute in dem Sport ausdrückt. Und nein, ich kann nicht behaupten, dass mir die Versuche, daraus einen massenkompatiblen Event zu machen, besser gefallen. Ich glaube, keinem Sport tun Millionengehälter, TV-kompatible Inszenierung und Arschlochparaden, pardon, in den VIP-Räumen gut. Nichts gegen einen Sport der Arbeiter, aber zum Teufel mit dem Anlass für Besoffene, die Stadt vollzukotzen.

DGNA:
Wäre die Welt ohne Fußball eine bessere?

Don Alphonso:
Wer als Historiker an die Besserungsfähigkeit dieser Welt glaubt, sollte sich eine andere Profession suchen. Die gleichen Hools, Geschäftemacher und Funktionäre würden einfach einen anderen Sport zum Nationalsport für Nationaldeppen machen.

DGNA:
Zum Abschluss eine – wie ich finde – naheliegende Frage: Wer wird Deutscher Meister 2009/2010?

Don Alphonso:
Keine Ahnung, aber ich hoffe, dass Sky daran zugrunde geht.

DGNA:

Vielen Dank für das Gespräch.

———
Hier die weiteren “Im Abseits”-Interviews: Stefan Niggemeier, Merlix, Madame Modeste, Robert Basic, HappySchnitzel-Sue, Johnny Häusler, Anke Gröner

Heute kann es regnen, stürmen oder schnei’n …

… denn wir strahl’n ja selber wie der Sonnenschein.

Und das hat nicht nur den plausiblen Grund, dass ich gerade mal wieder ein paar Tage Salzwasserluft schnuppern werde. Nein, auch die Gute-Laune-Offensive des zwitschernden Spielmachers ist mitnichten die Ursache für die heutige Blog-Freude.

Ein großartiges Symbolbild eröffnete vor einem Jahr offiziell dieses Fußballblog; und es war für uns beide schließlich das erste Mal. Das Foto ist deshalb großartig, weil in ihm alles drinsteckt, was Du gehst niemals allein – und weil’s bei Gugel ganz oben steht, darf ohne Gewissens- und Bescheidenheitsbisse auch die Abkürzung verwendet werden – im Grunde genommen ausmacht:

- ein klassischer Fußball als beherrschender Blickaufsichzieher, allerdings nicht totalzentral angeordnet
- da is ganz viel Sonne (ihr alle) und auch ein bisschen Schatten (die Geißel Zeit)
- im Hintergrund blättert ein wenig die Farbe von der Wand (ntm: mal wieder selbst Fotos knipsen)
- auch die Bank macht einen gemütlich benutzten Eindruck (Scheiße, wir sollten eigentlich die Uralt-Umfrage mal rausnehmen …)
- leicht verschnörkelte Rahmenkonstruktion (stringente Konzepte? Spießer!)
- das disziplinierte Pflasterfischgrätenmuster wird von rebellisch durchwachsendem Grünzeuchs aufgelockert (einfach irgendwelche Artikel-Serien anfangen)
- der dezent am Rande seine Dienste anbietende Steinpapierkorb verdeutlicht Kontinuität, aber auch Mut zum Löschen (einfach irgendwelche Artikel-Serien nicht beenden)

Na jedenfalls geht uns das hier mit dem Blog so wie mit dem Bild: Wir möchten uns einfach da hinfläzen, ein wenig mit dem Ball daddeln, und dann müssen wir auch schon wieder. Wisst ja, Familie, Arbeit und das ganze Restanalogleben.

Schön aber, dass ihr ab und an hier mit dabei seid.

Und wenn ihr es bis hierhin durchgehalten habt, könnt ihr nebenbei auch gleich die paar Geburtstagscountdownfußballbilderrätsel lösen (9, 8, 7, 5, 4, 3, 2, 1. Oder auch nicht. Ist ja noch Sommerpause.

Ein Tag

eiei
nyny