Es soll sie wirklich geben – Menschen, die mit Fußball kaum etwas oder gar nichts am Hut haben. Menschen, die am Samstag Abend nichts besseres zu tun haben, als nicht die Sportschau zu gucken. Menschen, bei denen der Begriff “Doppelsechs” keine taktischen, sondern sexuelle Assoziationen hervorruft.
Du Gehst Niemals Allein hat sich auf die Suche gemacht, sechs Exemplare dieser in Deutschland seltenen Gattung ausfindig gemacht und zu einem Gespräch gebeten.
Unser zweiter Interviewgast: Anke Gröner
Anke Gröner konsumiert alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Ihr Opium heißt Oper, ihr Speed sind Serien, ihr Crack sind Comics. Und wer noch eine Droge mit F kennt, kann sich einen eigenen Vergleich mit “Filmen” basteln. Was sie von Didier Drogbas Ballbehandlung hält, in welcher Liga der schönste Fußball gespielt wird und warum Frauenfußball besser ist, hat sie uns vor ein paar Tagen erzählt.
Du Gehst Niemals Allein:
Hallo Anke, vielen Dank, dass Du Dich für ein paar Fragen zur Verfügung stellst.
In Deinem Beitrag über den Besuch des WM-Spiels Argentinien gegen die Elfenbeinküste hast Du angedeutet, dass Stadionbesuche bei Fußballspielen für Dich keine absolute Ausnahme sind. Wie oft siehst Du Dir Spiele live im Stadion an? Bist Du eher wegen der Atmosphäre und dem Drumherum dort oder könntest Du auch komplett auf Musik, Fangesänge und Laola verzichten, solange auf dem Rasen guter Fußball gespielt wird?
Anke Gröner:
Ich sehe mir, ehrlich gesagt, so gut wie nie Spiele im Stadion an, weil ich Menschenmassen nicht so viel abgewinnen kann. Menschenmassen in Bierlaune übrigens noch weitaus weniger. Bei den wenigen Spielen, die ich live gesehen habe – kann ich an einer Hand abzählen: EM in Hannover, WM in Hamburg, einmal 96, einmal HSV – mochte ich die Stimmung im Stadion zwar sehr, habe aber die ganzen wunderbaren Erfindungen wie Zeitlupe, Hintertorkamera und Mikros am Spielfeldrand sehr vermisst. Ich empfinde ein Fußballspiel live irgendwie als unfertig, obwohl das natürlich völliger Blödsinn ist. Aber im Fernsehen kriegt man einfach mehr mit, und soooo wahnsinnig dringend brauche ich das „Teil einer großen, begeisterten Masse sein“-Gefühl dann auch nicht. Deswegen klicke ich auch lieber bei iTunes rum als auf Konzerte zu gehen. Um auf die Frage zurückzukommen: Ich kann komplett auf Fangesänge verzichten und gehe auch lieber auf mein Klo als auf das im Stadion.
DGNA:
Du bist Hannoveranerin in Hamburg. Welchem HSV gehört Dein Herz?
Anke Gröner:
Als gebürtige Hannoveranerin gehört mein Herz 96. Da die Jungs aber meist schlechter spielen als der HSV, gehören 49 Prozent meines Herzens den Hamburgern. Ich glaube, „Fans“ wie mich nennt man Schönwetterfans. Passt. (Aber wenn 96 gegen Hamburg spielt, halte ich natürlich für Hannover. Ist klar.)
DGNA:
Welches Fußballspiel muss im Fernsehen live übertragen werden, damit Du es einem guten Film, einer Serie oder einem Buch bevorzugst?
Anke Gröner:
Früher – also in der Zeit, bevor ich mit einem sportbegeisterten Kerl zusammengezogen bin – habe ich nur Spiele der Nationalmannschaft geguckt. Die dann aber wirklich gerne und nicht nur, weil man das halt so macht oder Papa sich drüber freut, wenn die beiden Töchterchen mit ihm Fussi gucken.
Seitdem ich einen Kerl habe, der sämtliche Bundesligamannschaften bis zum Jahre 1965 (oder so) und ihre Spielergebnisse runterbeten kann, bin ich mehr und mehr an den Samstagnachmittagen vor dem Fernseher hängengeblieben. Ich kann mir zwar bis heute keine Spielernamen merken (sind mir egal) und welcher Trainer gerade wo arbeitet (ist mir auch egal), aber ich kriege so gaaaanz laaaangsam mit, wie unterschiedlich Vereinsfußball aussehen kann. Deswegen gucke ich inzwischen auch gerne Champions-League-Spiele, besonders die, in denen irgendein englischer Verein mitspielt. Durch das Elfenbeinküstenspiel bei der WM, das du oben verlinkt hattest, bin ich auf Didier Drogba aufmerksam geworden und bin deshalb natürlich pflichtschuldig Chelsea-„Fan“. (Das Wort benutze ich immer mit Vorsicht.)
Deswegen verzichte ich bei europäischen Wettbewerben und natürlich der Nationalmannschaft gerne auf Filme und Bücher. Übrigens auch, wenn die Frauen spielen. Aber nicht, wenn’s um nix geht. Freundschaftsspiele braucht kein Mensch. Da gucke ich lieber DVDs.
DGNA:
Ich finde mich jetzt auch ein bisschen doof, dass ich die folgende Frage stellen muss, aber vielleicht trägt es ja zum Ausräumen eines Klischees bei: Warum magst Du Didier Drogba? Ist es die Ballbehandlung oder der Body?
Anke Gröner:
*hust* Natürlich die Ballbehandlung *hust*. Nee, isses nicht. Ich gehe gerne ins Kino, um Kerle (und Frauen) anzuschmachten – und beim Fußball ist es leider (?) genauso. Was auch bedeutet, dass ich seltsamen Mannschaften wie Hoffenheim die Daumen drücke, weil ich den Herrn Hildebrand gerne öfter in Großaufnahme sehen möchte.
DGNA:
Kannst Du es an einem Grund festmachen, dass Du den Stil englischer Mannschaften bevorzugst?
Anke Gröner:
In meinen naiven Fußballäuglein sieht es so aus, als ob das Spiel der Engländer (bzw. der Vereinsengländer aus aller Herren Länder) deutlich schneller wäre als das der deutschen Bundesliga. Ich habe das Gefühl, dass die Jungs nicht so am Ball kleben, dass das Passspiel schneller (und meistens effektiver) ist und dass Standards besser klappen.
Was ich bei den Engländern aber genauso nervig finde wie bei uns: das ewige Hingefalle und die dusseligen Nahtoderlebnisse an der Strafraumgrenze. Hier ist die Lanze für den Frauenfußball: Die Damen liegen deutlich weniger am Boden. Da muss schon jemand so richtig von hinten in die Hacken geflogen kommen, bis eine umfällt. Während bei den Herren der Schöpfung gerne mal ein Züpferchen am Leibchen reicht, wenn der Schiedsrichter gerade in der Nähe ist. (Und nebenbei: Jeder, der mal ein Rugby-Spiel gesehen hat, weiß, was Kerle abkönnen, wenn sie wollen. Danach kommt einem ein Fußballspiel wie ein Stelldichein hochgezüchteter Memmen vor.)
DGNA:
Wer wird Deutscher Meister 2009/2010?
Anke Gröner:
Da ich wirklich keine Ahnung habe, sage ich natürlich: Hannover. Aber Hamburg gebe ich wirklich ne Chance. Wenn sie nicht fünfmal gegen Bremen spielen müssen.
DGNA:
Vielen Dank für das Gespräch.
kommentare
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