Es soll sie wirklich geben – Menschen, die mit Fußball kaum etwas oder gar nichts am Hut haben. Menschen, die am Samstag Abend nichts besseres zu tun haben, als nicht die Sportschau zu gucken. Menschen, bei denen der Begriff “Doppelsechs” keine taktischen, sondern sexuelle Assoziationen hervorruft.
Du Gehst Niemals Allein hat sich auf die Suche gemacht, einige Exemplare dieser in Deutschland seltenen Gattung ausfindig gemacht und zu einem Gespräch gebeten.
Unser siebter Interviewgast: Merlix
Maximilian Buddenbohm nennt sich selbst Merlix, seine Frau Herzdame und seinen Sohn … nun, den Sohn. Wie auch sonst. Über das alles und noch viel mehr bloggt er nordisch amüsant seit einem halben Jahrzehnt, und dass jüngst der Name Kishon in den Kommentaren auftauchte, ist kein Zufall. Warum Pauli geht, HSV aber nicht und wieso ruhige Ecken im Stadion bevorzugt werden, hat er uns in einem kleinen Gespräch verraten.
Du Gehst Niemals Allein:
Hallo Herr Buddenbohm, vielen Dank, dass Sie sich für ein paar Fragen zur Verfügung stellen.
Sie haben vor der Fußball-WM 2006 in die Welt hineingefragt: “Warum um alles in der Welt fangen Frauen aus meinem näheren Umfeld irgendwann alle an, sich vehement für Fußball zu interessieren?” Haben Sie die Antwort mittlerweile gefunden? Lag es also an der WM? Oder doch an Ihnen selbst?
Merlix:
Nein, ich habe die Antwort nicht gefunden, bin aber sehr froh, daß die Herzdame nach wie vor eine Ausnahme bildet. Der Fluch scheint nur Freundinnen zu treffen, diese aber besonders fatal, nicht wenige davon interessieren sich nämlich ausgerechnet für den HSV. Ich habe zwar von Fußball nicht die leiseste Ahnung, aber HSV-Fan zu sein, das ist fast unverzeihlich, soviel ist sogar mir klar, das erschließt sich ja auch sofort, wenn man die Fans sieht.
DGNA:
Wurzelt Ihr Desinteresse am Schönen Spiel eher in der fehlenden Sozialisierung in der Fußball-Diaspora Travemünde oder schlicht in den Merlix-Genen?
Merlix:
Ich kann mich nicht erinnern, daß es in Travemünde überhaupt einen Fußballclub gab. Einige meiner Freunde spielten Rasenhockey, was eine noch absurdere Sportart ist. In Lübeck gab es den VfB, den kennt man vielleicht, aber der war eher für traurige Leistungen bekannt.
DGNA:
Ihr Sohn wird merkwürdigerweise vom Fußball-Fieber erfasst. Er steckt sein Taschengeld in überteuerte Trikots, erbettelt bei Ihnen ein PremiereSky-Abo und startet ein ambitioniertes Fußball-Blog. Was machen Sie?
Merlix:
Solange es sich um Pauli-Trikots handelt soll es mir recht sein. Wobei ich den Verein sportlich nicht beurteilen kann, aber es ist der einzige Fußballverein mit einem akzeptablem Image. Wir haben bereits eine Person mit Jahreskarte im Freundeskreis vorgesehen, um ihn auf diesen Verein zu prägen. Sicher ist sicher. Er trägt auch bereits jetzt ein Trikot mit dem Vereinsemblem.
DGNA:
Wenn Sie gezwungen wären, ein Fußballspiel komplett live vor Ort zu sehen, welches würden Sie wählen: WM-Vorrundenspiel Angola gegen Argentinien, Bundesliga-Hinrunde HSV gegen Hoffenheim, Regionalliga Nord VfB Lübeck gegen Türkiyemspor Berlin, oder F-Junioren Mannschaft Ihres Sohnes gegen … na, die andern?
Merlix:
Egal, ich nehme an, man kann bei den Spielen lesen, da ist mir egal, was auf dem Rasen passiert.
DGNA:
Nach den Intervallen Ihrer Neu auf dem Nachttisch-Reihe zu urteilen, lesen Sie viel und gern. Was müsste für Sie ein perfektes Fußball-Buch haben?
Merlix:
Es müßte ein guter Roman sein, in dem Fußball nur nebenbei als pubertäre Randerscheinung bei heranwachsenden Schülern vorkommt. In diesem Zusammenhang ist der Sport vollkommen akzeptabel.
DGNA:
Gibt es einen Fußballer, den Sie trotz aller sportimmanenten Abneigungen bewundern?
Merlix:
Nein.
DGNA:
Dennoch, kein Fußballinterview ohne die Frage der Fragen: Wer wird Deutscher Meister 2009/2010?
Merlix:
Das ist mir vollkommen egal, solange es nicht der HSV ist. Und auch nicht Werder, als Lübecker kann ich so etwas aus Prinzip nicht dulden. Wie sagte man bei uns früher wenn es an der Tür klopfte: „Herein, wenn’s kein Bremer ist“.
DGNA:
Vielen Dank für das Gespräch.
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1 Responses to “Im Abseits – Interview mit einem Nicht-Fan #7”
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