Das Bepacken von Sporttextilien mit drei bis sieben Tonnen symbolischer Bedeutung ist eine Entwicklung, die so richtig Fahrt aufgenommen hat, seitdem Geschäftsleute in Süddeutschland es sich in der olympischen Idee gemütlich gemacht und kurz darauf die griechische Siegesgöttin in Übersee mithilfe eines Basketballers den Sportartikel-Reklamevogel abgeschossen haben. Adidas und Nike verdienen viel Geld mit heißer Imageluft, und weil nun mal mit alten Trikots nicht der allergrößte Reibach gemacht wird und neue Nickis ganz viele tolle, aber eben auch eine doofe Eigenschaft besitzen – es mangelt ihnen nämlich zunächst noch an besagter Heißluft -, muss der findige Trikotfabfrikant eben die Geschichte zum Hemd gleich mitliefern.
Das kann man mögen oder generell Scheiße finden, ein logischer Schritt ist das allemal. Und es ist nicht zu fassen-, ich habe doch tatsächlich kurz mit dem Tippen gestoppt, als ich der nicht unbelasteten Verbindung Scheiße und Blogbeitrag über Sportartikelhersteller gewahr wurde.
Die Nationalmannschaft bekommt zur WM neue Shirts. Und um die unter gewohnt vorbildlichen Produktionsbedingungen hergestellten Teile nun auch in überwältigenden Maßen an den qualitätsbewussten Fan bringen zu können, braucht es also eine Geschichte. Eine ideologische Aufladung des fabrikneuen Textils quasi, ein Image-Vorgriff auf das, was die Herren Nationalspieler demnächst in Südafrika neubehemdet auf den Rasen zaubern werden. Oder auch nicht. Aber das wäre dann auch egal, verkauft ist verkauft.
So weit, so nicht neu.
Leider ebenso üblich ist die lustlose Schmackhaftmachung der Dreistreifler. Ein Onlinebrowserinternetwebgame, ein innovatives sogar, so sagt es zumindest der Begleittext, soll die nicht einfache Aufgabe übernehmen, der Kaufentscheidung noch skeptisch Gegenüberstehenden Lust zu machen auf das, was der Hemdenhersteller sich da ausgedacht hat. Und dann lese ich “Minigames” und soll also die drei bisherigen WM-Titel nachspielen, um für Nullzehn ordentlich gewappnet und angefüttert zu sein, und dann assoziiere ich prompt meinen guten alten Commodore 128 und Lazy Jones und bin schon ein wenig angefixt, und dann …
Tja. Andauernd dieser sprachmelodiös grässliche Teamgeist, und Albicileste klingt auch komisch, und Teilnahmeschluss beim Gewinnspiel war am 30. Juli und überhaupt muss ich viel zu viel Zeit damit verbringen, immergleich ein nervöses Fadenkreuz in einem Kreis zu platzieren – denn genau darauf kann man den Spiele”spaß” reduzieren. Mann, es gibt doch niedliche Minispiele mit Fußballbezug so viele wie derzeit Alsdiemauerfiel-Erinnerungen, dieses aufgepimpte, aber primitive Fußballschach drängt den Vergleich mit der Form einiger seiner National-Akteure geradezu auf. Ein paar der vor jedem Großturnier massenhaft aus dem Web-Boden sprießenden Minispielchen in einen knappen Kontext hineinadaptiert, das massige Werbebudget mehr in praktische Ideen und deren technische Umsetzung statt in pompöse Optik und kostspielige Graphic-Novel-Dreharbeiten gesteckt – und die Nummer hätte, zumindest was mich betrifft, wohl nicht schlecht funktioniert.
Dann sehe ich Twitter und Facebook und das Blog zum Hemd und denke, naja, und dann lese ich dort aber:
(…) die Schaffung von Links, Hypertext, Links oder Deeplinks zwischen der Webseite und einer anderen Internetseite ohne die ausdrückliche schriftliche Genehmigung von adidas ist verboten.
… und dann schaffe ich eben keinen Link und dann habe ich das Gefühl, dass es für dieses Trikot eigentlich noch eine bessere Geschichte gegeben hätte. Müssen letztendlich also doch wieder die Spieler ran. Geschichte machen.
Werbung
Auch wenn das an der Quintessenz deines Artikels vorbeigeht: Lazy Jones!!1! Das war doch der mit den drei Stockwerken und so. Schon ganz vergessen. Thanks for that warm reminiscence.