Wer verbot die Namen auf den DFB-Trikots?

Nachtrag: Die ARD hat einfach mal nachgefragt:

Angenommen Torsten Frings mit der Nummer sechs fällt wenige Stunden vor dem Anpfiff aus, und Simon Rolfes mit der etatmäßigen Nummer 23 rückt in den Kader, dann müssen wir für Rolfes ein Trikot mit der Nummer sechs parat haben”, erklärte Stenger gegenüber sport.ARD.de, “es ist also eher eine praktische denn eine juristische Frage.”
Hintergrund ist, dass das Trainerteam der deutschen Nationalmannschaft in dieser Woche entschieden hat, die neue FIFA-Regel auf freiwilliger Basis künftig auch in Freundschaftsspielen umzusetzen und gleichzeitig festlegte, in allen Länderspielen für die Anfangsformation die Nummern eins bis elf zu vergeben.

Übersetzt heißt das: Die Fifa klaut Podolski die #20, der DFB Ballack die #13. Das deutsche Trainerteam hat entschieden, ein Flockverbot existiert nicht. Und trotz doppelter Agentur-Relativierung am Nachmittag verbreitet der Tagesspiegel weiterhin munter die Mär von der bösen Fifaregel. Der kicker relativiert und bringt den Fakt, dass zur WM die Trikotnamen sogar verpflichtend seien.

Wie der DFB nun aber darauf kommt, den Kader 75 Minuten vor Spielbeginn melden zu müssen, wo sie erst von 90 Minuten berichtet hatten und in der Fifa-Regel von 60 Minuten die Regel ist, kann ich mir nicht erklären. Vielleicht einfach Durchschnitt gebildet, wer weiß.

Das Sportmedienblog ebenfalls mit update.

……….


foto:dominic

Zunächst mal die Fakten (pdf):

§17/3: Auf der Spielerliste dürfen 18 Spieler aufgeführt werden (11 Spieler und 7 Auswechselspieler). Die ersten 11 (elf) Spieler bilden die Startaufstellung, die 7 (sieben) anderen sind Auswechselspieler. Die Rückennummern der Spieler müssen mit den Nummern übereinstimmen, die auf dem Spielblatt angegeben wurden (Nummern 1 bis 18). Alle Torhüter und der Spielführer müssen speziell gekennzeichnet werden.

§17/4: Beide Teams müssen dem Schiedsrichter ihr Spielblatt spätestens 60 (sechzig) Minuten vor Spielbeginn aushändigen.

§21/4:Jeder Spieler trägt auf seinem Hemd eine Nummer zwischen 1 und 18. Die Farbe der Nummer muss sich gemäss dem FIFA-Ausrüstungsreglement von der Farbe der Spielkleidung abheben (hell auf dunkel oder umgekehrt) und für die Zuschauer im Stadion oder vor dem Fernseher gut lesbar sein.

Ich lese daraus:

Die allgemein verbreitete Frist von 90 Minuten vor Spielbeginn, zu der die Spielerliste auszuhändigen ist, stimmt für die WM 2010 nicht, es darf bis eine Stunde vor Anpfiff gewartet werden.

Von Spielernamen ist nirgendswo nichts nix nada zu lesen. Gar nichts. Was die Namen auf den Trikots betrifft, verbietet oder erlaubt die Fifa für die WM 2010 nichts. Derartige Meldungen und Meinungen sind falsch.

Der DFB äußert sich folgendermaßen:

Das bedeutet in der Praxis, dass bis zur WM 2010 nicht mehr der Name des jeweiligen Spielers auf dem Trikot stehen wird.

Ich lese daraus:

Der DFB hat auf die Nummernregel reagiert und selbst – der DFB selbst also – entschieden, keine Spielernamen mehr auf die Trikots zu pappen. Da das gestrige Freundschaftsspiel mitnichten etwas mit der WM 2010 zu tun hatte, war der Verzicht auf die Namen gegen Belgien zwar unnötig, mit Blick auf die kommende Praxis (des DFB wohlgemerkt) aber vielleicht hinsichtlich der Fan-Erwartungen pädagogisch nicht unklug.

Und was sagt Bierhoff?

Wir haben Protest eingelegt, der wurde abgewiesen. Wir werden aber nochmal dagegen vorgehen und hoffen, dass sich da auch andere Verbände einreihen. Das ist nicht nur für die Fans schade, sondern auch für unser Merchandising.

Was heißt hier Merchandising? Ist es dem Fan nicht egal, ob Ballack die 13 trägt oder die 13? Ob Kuranyi die 99 trägt oder die 9? Solange nur der Name darübersteht und das – zumindest für den Stammkader – konsequent durchgehalten wird?

Und wer machte sich die Mühe und las die Fifa-Regeln nach?

Die Rheinische Post nicht. Sie sah es eher sarkastisch:

Das Verbot, den Spielernamen bei Länderspielen auf den Trikots zu tragen, erforderte gewiss volle Manpower und viel, viel Zeit. Dienst am Kunden sieht anders aus.

Das Hamburger Abendblatt? Nö:

Der Weltverband Fifa ist schuld. Das Reglement für die Weltmeisterschaft in Südafrika schreibt vor, dass die Nationalmannschaften bei den Qualifikationsspielen nur noch die Nummern eins bis 18 tragen sollen. Das wiederum hat zur Folge, dass bis 2010 auch die Spielernamen fehlen.

Die Kausalität beschrieb das Abendblatt – wie auch der DFB – nicht.

Die BZ aus Berlin ins gleiche Horn:

Laut Fifa-Regel dürfen alle Mannschaften ab sofort keine Namen mehr auf den Trikots tragen.

Der Spiegel interpretiert munter weiter:

In Zukunft müssen die Rückennummern vor jeder Partie im jeweiligen Kader neu vergeben werden (…)

Kann ich so auch nirgendswo erkennen. Eine kleine Aufklärung von Seiten des DFB, aus welchen Beweggründen der Verband auf die Trikotnamen verzichtet – und da gibt es bestimmt gute (wirtschaftliche) Gründe -, wäre meiner Ansicht nach hilfreicher als diese öffentlichkeitswirksame Verschleierung der Tatsachen.

Der erste Zweifler war im übrigen Reality Check vom Sportmedienblog.

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9 Responses to “Wer verbot die Namen auf den DFB-Trikots?”


  1. 1 RealityCheck

    Wobei man ja den Damen und Herren zugestehen muss, dass es gestern schon spät war und der Redaktionsschluss drückte… ;)

  2. 2 Stefan (Weltsicht Südtribüne)

    Na ja, ganz so einfach ist es nun auch nicht, weil es eben keine festen Nummern für die Namen mehr geben wird. Das heißt für jedes Spiel müssten ggf. die Trikots neu mit Namen beflockt werden. Das dürfte für das Merchandising aber kaum etwas bringen, weswegen man es eher sein lässt und mal ganz ehrlich: Außer für Fußballahnungslose und Verkaufsstände ist der Name auf dem Trikot doch wirklich überflüssig.

  3. 3 RealityCheck

    Ich weise mal ganz unverblümt ;) auf ein Update meines Blogeintrags hin. Die USA haben gestern Nacht ihr erstes Qualispiel gegen Guatemala bestritten.

    Zwar mit Rückennummern bis 18, aber Rückennummern über 11 in der Startelf und: Namen über der Nummer.

  4. 4 Spielmacher

    In der WM-Quali werden doch ca. 15 der 18 zu meldenden Spieler eh immer die gleichen sein. Daher kann man doch problemlos einen Satz mit den sicheren Kandidaten beflocken. Fällt einer mal aus, kriegt der Nachzügler die Nummer und eine frische Beflockung. Wo ist das Problem? Wir reden hier ja nicht vom Amateurbereich, wo sowas auch mal länger als einen Tag dauern kann.

  5. 5 Spielmacher

    Gerade eben lief auf RadioEins der gleiche Quark wegen “Spieler von 1 bis 11 auf dem Platz” und “keine Namen auf dem Trikot”. Mein Anruf landete während der Musik im Studio, aber leider wollte der Moderator keine Zeit haben, sich die richtige Version der Geschichte anzuhören. Zitat: “War ja auch nur ein Spaß.”

    Gute Nacht.

  6. 6 RealityCheck

    Der SID hat vor einer halben Stunde auch eine Meldung (via Fussballportal) diesbezüglich verfasst.

    Mal sehen, ob es jetzt mehr Leute mitbekommen. ;)

  7. 7 nolookpass

    Auch die dpa hat es jetzt:

    Die FIFA stellte am Donnerstag in einer Stellungnahme klar, dass „bei Qualifikationsspielen die Startelf nicht unbedingt mit den Trikot-Nummerierung 1-11 auflaufen“ müsse. (…) Die FIFA argumentierte, dass die Spielernamen trotz der Durchnummerierung bei WM-Qualifikationsspielen auf die Trikots gedruckt werden dürfen. Nach Angaben des DFB sei dies in der Praxis jedoch nicht möglich.

  8. 8 Jannik

    Alles kompliziert, alles scheiße, ich fass’ es für mich einfach so zusammen und gucke, ob ich damit leben kann:

    Die FIFA startet plötzlich einen merkwürdigen Feldzug gegen hohe Rückennummern und der DFB stellt sich einfach blöd an bzw. ist zu faul, jedes Spiel einen neuen Satz zu bedrucken (von Flocken kann heutzutage ja eigentlich keine Rede mehr sein).

  9. 9 Torsten Wieland

    Danke für den Beitrag.

    Da in der Nationalmannschaft gerade die absoluten Top-Stars (Metzelder, Odonkor, Kuranyi) die Nummern größer 18 auf dem Rücken haben, kann ich nachvollziehen, dass der DFB die Beflockung lieber zeitweise aussetzt, statt Trikots tragen zu lassen, die nicht dem Fankatalog entsprechen.

    Was mich allerdings wirklich interessiert:
    Warum?
    Was hat sich der entsprechende FIFA-Funktionär dabei nur gedacht, was soll diese Neuregelung?

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