
Draußen ist gerade ziemlich Winter und somit eine eher freiluftfußballunfreundliche Jahreszeit. Da sich nicht wenige Profi-Vereine jüngst aber einen Wetterschutz auf ihre Arenen genagelt haben, die ein gepflegtes Einszueins weiterhin möglich machen, ist dann doch hier und da meist höherklassiges Gekicke aus den Winterschlaf-Augenwinkeln wahrzunehmen. Kalt bleibt es in den überdachten Schüsseln dennoch, und wie es dann so ist bei intensivem Sporttreiben in frischer Winterluft: Sie läuft, die Nase.
Und dann wird das personalisierte Abwehrbollwerk in Nahaufnahme gezeigt, und der Zoom will gar nicht mehr aufhören, man kann ihn sich vorstellen, den Fußballregiechef, wie er fasziniert mit den Augen an seinen Bildschirmen klebt, höchst beeindruckt von der Aura, die vom gegerbten Antlitz des erfahrenen Verteidigerreckens – einem wahren Bild von einem Manne – ausgehend noch bis in die kuscheligste Wohnzimmerecke hinein strömt, und dann …
Der Recke rotzt.
Seinen kämpferischen Blick gen Boden gesenkt, den Oberkörper leicht zur Seite gedreht und etwa 30 Grad geneigt, sich in diesem Augenblick wenig um die zigtausend potentiellen Schnäuzzeugen scherend – tut er es. Er, und jetzt müssen wir ein wenig physikalisch werden, versperrt den freien Kanal des Stereo-Ausgangs, um dem Nasen-Sediment die Alternative zu nehmen. Tut er das nicht, sabbert’s nur so ein wenig heraus, und es wäre dann ja auch kein Einhand-, sondern ein Freihandrotzen.
Jetzt kommt der neuralgische Punkt, an dem gerade unerprobte Einhandrotzer gerne scheitern. Es muss ein so hoher Druck aufgebaut werden, dass das nicht mehr Benötigte seine labile Verbindung zur Schleimhaut und aber auch zur Nase an sich gänzlich verliert und derart genügend beschleunigt seinen letzten Weg auf den Rasen nehmen kann. Die absolute Druckstärke muss hierbei unbedingt in Relation zum Rotzvolumen gesetzt werden, routinierte Einhandrotzer können für diese komplizierten Berechnungen auf eine Art kognitives Tafelwerk zurückgreifen.
Unterschätzt der Recke aber das Ausmaß und drückt also zu schwach, wird es peinlich: Das Zeug bleibt an ihm kleben wie das Pech an der Marie. Der Recke muss die Nasenlochzuhaltehand zweckentfremden und die Schleimerei manuell entfernen, spätestens jetzt brüllt der Regiechef, dass doch gefälligst auf die Totale zu schalten sei. Überschätzt der Einhandrotzer sein Popelklümpchen, hat er halt ein bisschen heiße Luft umsonst produziert.
Geübte Einhandrotzer sind schon nach dem ersten Versuch rotzfrei, doch auch ein ein- oder zweimaliges Nachrotzen ist hinsichtlich der folgenden Atemfreiheit und also der zu erwartenden sportlichen Leistungsfähigkeit des Rotzers noch okay. Dauert die Rotzerei länger als eine halbe Minute, sollte eine Zwangsauswechslung und anschließende Verbannung des Versagers in die Bowling-Abteilung des Vereins erwogen werden.
Merke: Wer es nicht kann, einfach mal die Nase halten.

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Nicht zu vergessen die Windrichtung! Hatte da mal ein böses Erweckungserlebnis beim Konditionstraining in den Weinbergen…
Ist das rechts der junge Robert Basic?
Ich habe mich eher gefragt, ob das dazwischen irgendein kultiges Effzeh-Fanutensil sein könnte.
Nennt sich Wohl “Charlottenburger”, die Art so zu Schneuzen.
Jawoll, wobei der echte Berliner, so ist zumindest hier zu erfahren, auch Schlorrendorfer dazu sagt. Warum auch immer.
Also bei uns heißt das Rotzen. Ob Einhand-, Daumen-, Zweifinger- oder sonstwie- … für Stilfragen haben wir keine Zeit. Und im Baseball gibts einen regelrechten Outfield-Dreikampf: Erst am Sack kratzen, dann spucken und dann s.o.. Danach geht man viel konzentrierter zu Werke.
Einerseits finde ich es irgendwie doof, als Autor andauernd in den Kommentaren rumzuklieren, andererseits gefällt mir der letzte Satz des Herrn Wieland sehr gut.
Danach geht man viel konzentrierter zu Werke.
Wäre dies kein Fußball-, sondern ein Mehrthemenblog, würde ich mit einem Kurzessay antworten, Thema: “Was das permanente öffentliche Rotzen seiner Einwohner mit dem wirtschaftlichen Aufschwung Chinas zu tun hat”.
“Einerseits finde ich es irgendwie doof, als Autor andauernd in den Kommentaren rumzuklieren”
Interessant. Ich finde es schade, wenn eben das nicht getan wird (auch wenn ich ehrlich gesagt nicht genau weiß, was klieren heißt).
klie|ren [H. u.] (landsch., bes. nordd.): schlecht, unleserlich schreiben: klier nicht …
Und es ist sicherlich der Knackpunkt, wie man “andauernd” definiert.
Was hat es zu bedeuten, dass ich während des Lesens niesen musste?
Unheimlich.