Henning Vöpel leitet die Arbeitsgruppe “Sport und Wirtschaft” beim Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut und denkt sich so tolle Sachen wie zum Beispiel das Zidane-Clustering-Theorem aus. Zusammen mit Sportökonomie-Fan und -darüberschreiber Jörn Quitzau von einer befreundeten Bank hat Vöpel 12 Thesen zum Wirtschaftsfaktor Fußball im Jahr 2030 aufgestellt. Da diese auf 49 pdf-Seiten ausgebreitet wurden, spiele ich im folgenden mal ein wenig den Eindampfer:
These 1: Keine Europaliga
Eine geschlossene Europaliga mit immer denselben Mannschaften und ohne Abstieg ist langweilig, selbst wenn sie durch einen Play-off-Modus aufgehübscht würde. Viele Fans würden verprellt, weil ihr Verein faktisch in der 2. Liga spielen würde, ohne jemals in die 1. aufsteigen zu können. Das Interesse an den nationalen Ligen nähme ab, das allgmeine Interesse an einer Europaliga wäre geringer als das heutige an der Champions League.
These 2: Endspiel um die Deutsche Meisterschaft
Auf der Suche nach meh’ Geld könnte ein reines Endspiel oder eine kleine Playoff-Runde die Bundesliga-Saison beschließen. Das wäre kommerziell sehr reizvoll und aussichtsreich sowie für Zuschauer zusätzlich hochspannend, benötigt aber – zumindest bei Playoffs – mehr Termine im Rahmenspielplan.
These 3: Mehr Spielunterbrechungen für Werbung
Werbung ist immer noch wichtig. Drei mal dreißig Minuten ist eher unwahrscheinlich, da kaum zu vermitteln. Potenzielle Reklamepausen könnten aber durch Auszeiten für Teambesprechungen oder Videobeweise entstehen, was dann immerhin keinen reinen kommerziellen Hintergrund hätte.
These 4: Zentrale Fernsehvermarktung ist abgeschafft
Die Zentralvermarktung der Liga wird die nächsten zwei Jahrzehnte nicht überstehen. Kartellrechtliche Schwierigkeiten und unterschiedliche Interessen der Vereine führen zu einer Eigenvermarktung der Medienrechte. Um die grobe sportliche Ausgeglichenheit in der Liga zu wahren, ist die Einführung eines Finanzausgleichs wahrscheinlich.
These 5: Aufspaltung der Spieltage und veränderte Anstoßzeiten
Die Neigung zur Aufsplittung des Spieltags bleibt unverändert. Da ein Großteil des Fußballinteresses vereinsgebunden ist, steigt bei weniger Gleichzeitigkeit das insgesamte Fußballkuckvolumen, weil weniger die Gefahr besteht, ein Spiel der eigenen Mannschaft zu verpassen. Spiele zur Mittagszeit werden Normalität, ein festes Spieltagsschema gerät zunehmend aus der Mode.
These 6: Austragung von Bundesliga-Spielen im Ausland
Bis auf vereinzelte Freundschaftsspiele in der Sommerpause wird die Bundesliga in Deutschland gespielt. Um neue Märkte zu erschließen, könnte jedem Verein das Recht zugestanden werden, ein “Heimspiel” pro Saison im Ausland auszutragen.
These 7: Spielermärkte bleiben offen
Weil die Nationalmannschaften unter der Öffnung des Spielermarktes genau so leiden (England!) wie die Identifikation der Fans mit den Vereinen, gibt es Überlegungen, die Liberalisierungen teilweise wieder rückgängig zu machen – Stichwort 6+5-Regel. Das europäische Recht und unterschiedliche Interessen von Vereinsunternehmen in einer globalisierten Welt werden jeglichen Protektionismus jedoch unterbinden.
These 8: Nationalmannschaften dürfen Ausländer einsetzen
Vereine treten schon heute komplett mit Spielern an, die nicht aus der Vereinsstadt oder gar aus Deutschland stammen. Der Fan kann offenbar damit leben, die Begeisterung ist ungebrochen. Aufweichungen könnte es auch bei der Nationalmannschaft geben, beispielsweise könnten generell alle Kicker der Bundesliga für die A-Elf spielberechtigt sein.
These 9: Arbeitsagenturen für selbstständige Fußballer
Fußballer werden nicht mehr nur Angestellte des Vereins sein müssen. Als Selbstständige oder Freiberufler können einige von ihnen über Agenturen als Ergänzungsspieler oder – für eine extrem kurze Zeit – als Leihspieler vermittelt werden.
These 10: Steuerliche Sonderregeln für Profifußballer
Die Steuerpolitik eines Landes beeinflusst den internationalen Wettbewerb um die besten Spieler. Es gibt gute Argumente für eine steuerliche Bevorteilung ausländischer Fußballprofis. Zwar gibt es wirtschaftspolitisch betrachtet auch gute dagegen, aber wenn durch ein steueroasigeres Image der Bundesliga mehr gute (und teuer bezahlte) Spieler nach Deutschland kommen, wäre auch dem Fiskus geholfen.
These 11: Staatliches Wettmonopol ist Vergangenheit
Aus ökonomischer Sicht ist das Festhalten am Staatsmonopol fragwürdig. Auch europarechtlich betrachtet dürfte die kuriose Regelung künftig in der jetzigen Form kaum haltbar sein. Eine kontrollierte Marktöffnung ist wahrscheinlich.
These 12: Neue Finanzierungswege werden beschritten
Nach der Krise kann wieder riskant finanziert werden – auch im Fußball. Die 50+1-Regelung dürfte langfristig kaum haltbar sein. Asset Backed Securities, Genussscheine, Börsengang – immer her damit. Wenn die Premier League nicht zusammenbricht, gibt es ähnliche Verhältnisse künftig auch in deutschen Landen.
kommentare
Von: Rachael Lasswell (5.9. 20:13)
Von: grootteUtteds (3.9. 14:15)
Von: Daniel (2.9. 10:12)
Von: Spielmacher (31.8. 12:42)
Von: bonsai (30.8. 19:26)